Weniger Staat geht nicht

Weniger Staat geht nicht

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18. April 2012_Hann. Münden/Felsberg/Homberg/Efze. „Wenn es sie nicht schon gäbe, man müsste sie jetzt erfinden“, sagte Klaus Burhenne, Bürgermeister der Stadt Hann. Münden zu Beginn der Fachwerktriennale 2012. 160 Gäste, darunter Vertreter des Bundes, hessischer und niedersächsischer Ministerien, Kommunen, Verbände, Bauherren und Eigentümer waren der Einladung der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e.V. (ADF) gefolgt, um gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Bürgermeister Burhenne forderte, die Fachwerkstädte für jede Generation zu gestalten. Wie so etwas geht oder gehen kann, zeigen die 24 Triennaleteilnehmer aus ganz Deutschland in den nächsten sieben Monaten. In Hann. Münden konnten bereits private Bauvorhaben vorgestellt werden, die zeigen, wie für ältere Mieter Fachwerkaltbau bewohnbar gemacht, eine Kirche zum Restaurant und kleines Wohnhaus zum Hotel wurde oder eine Moschee mit Kulturzentrum in ein historischen Haus einziehen konnte.
„Die Fachwerkstädte gehen schweren Zeiten entgegen“, sagte Prof. Manfred Gerner von der ADF. Historisch beleuchtet seien Bürger zum Schutz und zur Pflege ihrer Stadt verpflichtet gewesen. „Jetzt müssten sie sich mehr für ihre Stadt zuständig fühlen“, so Gerner, der forderte, die Stadtentwicklung für die Bürger „begreifbarer“ zu machen und den Dialog mit allen zu suchen. Zudem sieht Prof. Gerner in den revolvierenden Fonds eine Möglichkeit, die immer wiederkehrenden Sanierungsmaßnahmen in Zukunft zu finanzieren.
Stadtbaukunst und Stadtentwicklung brauchen außer guten Beispielen vor allem aktive Bürger, die von der Kommune motiviert und unterstützt werden, Kommunen die dafür nötigen Finanzmittel, hieß es und dass dies von der Politik sicher gestellt werden müsse. Auch Christian Kuthe, Referatsleiter Städtebau des Ministeriums für Soziales aus Hannover sieht hierin eine Hauptaufgabe der Nationalen Stadtentwicklungspolitik in der Nachhaltigkeit. Bund und Ländern gehe es darum, die verschiedenen Akteure der Nationalen Stadtentwicklungspolitik  zu vernetzen. Gemeinsam mit den Kommunen müssten „Kooperation und Koordination auf allen Ebenen ausbauen“, denn ohne Investitionen seien die Fachwerkstädte bedroht. Eine bessere Kommunikation zwischen Bund und Ländern wurde von Eva Schweitzer, Projektleiterin und Referentin im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung aus Bonn gefordert, diese sei noch nicht zufriedenstellend.
An darauffolgenden Tag zog die Triennale 12 in die Städte Felsberg und Homberg/Efze. Hier sind sinkende Einwohnerzahlen zu verzeichnen, die Stadtplaner berücksichtigen müssen. In Felsberg gründete man 2009 die Genossenschaft „GeGeFe“, die das Management für den Bereich des Altstadtquartiers unterhalb der Burg übernommen hat. Gemeinsam mit Hausbesitzern und neuen Nutzern werden im Modell Sanierungsvorhaben entworfen, für die dann Investoren gefunden werden sollen. Auch Bürgermeister Volker Steinmetz forderte vor  mehr als 70 Zuhörern finanzielle Sicherheit für die Kommunen, um diese Vorhaben umsetzen zu können.
In Homberg/Efze wurde ebenfalls durch Initiativen aus der Bürgerschaft etwas in Gang gebracht. Eine Umnutzung von leerstehenden Häusern der Altstadt als Ferienwohnungen konnte mit Hilfe eines Pilotfonds der EU und des Landes Hessen begonnen werden, die Zusammenarbeit der Touristikzentrale und des Stadtmarketings ist angelaufen. So wird ein nur wenige Meter breites Haus in einer Zeilenbebauung vor dem Verfall oder Abriss gerettet. Dennoch bedauerte Bürgermeister Martin Wagner gegenüber 100 Gästen, dass Homberg, wie viele andere Kommunen auch, aufgrund angespannter Haushaltslage keine Denkmal KfW-Förderung mehr in Anspruch nehmen könne und forderte sinnvolle Förder- und Finanzierungsmodelle für historische Altstädte.
Bei allen guten Projekten und Ideen haben die ersten drei Veranstaltungen der Triennale 12 schon jetzt gezeigt: ein nachhaltiger Schutz der Fachwerkstädte ist trotz engagierter Bürger mit „weniger Staat“ in Zukunft wohl nicht möglich.

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