Umgebindeland

Umgebindeland

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24./25. Mai 2012 Ebersbach-Neugersdorf. Die „Gute Stube“, hier gibt es sie noch. Im Umgebindehaus ist es die Blockstube und ein charakteristischer Teil besonderer Baukultur, ein Raum, errichtet aus übereinander gelegten Fichten- oder Kiefernhölzern. Im Winter gut zu heizen, bietet er im Sommer einen Schutz vor Hitze von außen. Die Blockstube ist vom Fachwerk „umbunden“, sie liegt sichtbar hinter Ständern und weit gespannten Bogenkonstruktionen mit Kopfbändern oder Knaggen. Das Umgebindehaus ist eine Kombination aus wärmedämmendem Blockbau und holzsparendem Fachwerk,  spätestens mit der Verbreitung der „rauchlosen Stube“ schon ab dem 13. Jahrhundert konnte sie optimal beheizt werden und bot auch den Webern der Oberlausitz bestes Raumklima für die Verarbeitung ihrer Fäden.
Dort zwischen Zittauer- und Riesengebirge, wo die Spree ihre Quelle hat, gibt es mit etwa 6.000 Umgebindehäuser auf deutscher Seite eine weitgehend intakte Hauslandschaft. Davon stehen 350 leer, fünf Prozent gelten als stark bedroht, das Damoklesschwert des demografischen Wandels schwebt schon über den nächsten Häusern. Eine düstere Prognose.
Dem entgegenzutreten tagten im Mai 40 Experten im Rahmen der Fachwerk-Triennale 2012 zum Thema „Umgebinde-Landschaft Erhalten!“ in der Alten Mangel in Ebersbach. Dem Expertenhearing mit Vertretern der Landkreise Bautzen, Görlitz und weiterer Kommunen, des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, der Fachhochschule Zittau/Görlitz und der Initiatoren der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. schlossen sich auch Vertreter aus Tschechien und Polen an. „Im Dreiländereck verschwanden in den letzten 60 Jahren über 25.000 Umgebindehäuser. Weniger als 800 stehen noch in Polen, etwa 13.000 gibt es noch in Tschechien“, sagte Prof. Manfred Gerner, der während der Triennale auf ein eindeutiges Konzept zum geplanten Umgebindehaus-Zentrum drängte.
Der Denkmalpfleger Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus wird das dringend benötigte Umgebindehaus-Zentrum leiten. Er hat selbst drei Häuser saniert und kann aus Praxis und Theorie schöpfen. Aus Fördermitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) wird das einstige Lautex-Stammhaus samt Industriegebäuden zum Beratungszentrum und Ersatzteillager der Umgebindehaus-Bauteile. „Wir wollen Interessenten alle bau-, sanierungs- und energietechnische Fragen zum Bautyp beantworten und sie unterstützen“, so Matthes, der hofft, den Baumärkten und der Dämmindustrie so den Wind aus den Segeln zu nehmen und die Bauherren davon zu überzeugen, dass einmal richtig saniert kostengünstiger ist, als mehrfach falsch saniert. Die Region habe kompetente Handwerker, sind sich die Experten einig, zudem belegen jüngste Zahlen, dass 75 Prozent aller verkauften Umgebindehäuser von jungen Leuten erworben wurden. Diesem positiven Trend zufolge muss das Umgebindehaus-Zentrum so schnell wie möglich umgesetzt werden,
In den Straßen, wo prächtige Rhododendrenbüsche in Bauerngärten blühen, Staketenzäune die Grundstücke markieren und der Bach sichtbar plätschernd neben der Hauptstraße entlang fließt, stehen noch viele dieser historischen Häuser als charakteristische Zeitzeugen. Sie werden modern genutzt, viele sind saniert und deren Besitzer wohnen, vermieten oder schaffen Plätze für kulturelle und touristische Angebote. Gemeinsam mit dem Umgebindehaus-Zentrum hat die „Gute Stube“ dort Chancen, den Menschen und Gästen erhalten zubleiben.

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