Triennale 15 – Eschwege

Triennale 15 – Eschwege

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Gebündelte Fachkompetenz beim Auftakt der Fachwerk Trieannle 15 – Eschwege hervorragender Gastgeber
Von Diana Wetzestein
12. Juni 2015_Eschwege. Besser hätte die Fachwerk Triennale 15 kaum starten können. Bürgermeister Alexander Heppe begrüßte mehr als 70 Gäste im E-WERK Eschwege. Der Ort war gut gewählt, schließlich gelang der Stadt auch mit diesem Gebäude nach langem Leerstand eine sinnvolle Umnutzung als Kongress- und Kulturort.
Die Kreisstadt in der Mitte Deutschlands ist mit dem Umbau ihrer historischen Fachwerkstadt längst auf dem richtigen Kurs. Bereits umgesetzte Projektideen vorausgegangener Fachwerk Triennalen, wie ein Wohnprojekt für Menschen mit psychischen Erkrankungen und der Umgestaltung des Marktplatzes, sind in der Bevölkerung längst akzeptiert. Deren Vertrauen in die Stadtentwicklungspolitik ihrer Stadtverwaltung ist gestiegen. Durch die Rettung des Einkaufsstandortes mit der Erhaltung der Schloss-Galerie, schaffte es die städtische Entwicklungsgesellschaft, eine lebendige Innenstadt zu erhalten, mehr noch, Eschwege ist die Einkaufstadt für die gesamte Region geworden. Mit 191,7 Punkten beim Index Einzelhandelszentralität ist Eschwege in Nordhessen die Nr. 1 und unter 11.329 Kommunen in Deutschland sogar Platz 78.
Wem das Einkaufen in einer Stadt Spaß macht und die Umgebung einer Stadt gefällt, der möchte auch gern dort wohnen. Bürgermeister Heppe, der fünf Tage zuvor mit mehr als 62 Prozent in seine zweite Amtszeit gewählt wurde, sagte: „Wir haben positive Zuwanderungszahlen und brauchen dringend modernen und energieeffizienten Wohnraum.“ Die Sanierung von Fachwerkhäusern in der historischen Altstadt sei daher ein Thema, das die Stadt Eschwege jetzt wiederum mit ihrer erfolgreichen Entwicklungsgesellschaft bearbeitet. „Wir brauchen dafür aber auch sinnvolle Förderprogramme, bestenfalls eine Kombination aus bereits bestehenden Programmen“, richtete sich der Bürgermeister an Henning Schwarting vom Referat Städtebau und Städtebauförderung und Ansprechpartner für derlei Förderprogramme im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Dieser lobte die von der Nationalen Stadtentwicklungspolitik geförderte Fachwerk Triennalen. „Viele Kommunen sind immer noch zu passiv im Umgang mit dem demografischen Wandel, die Triennalestädte sind da schon auf einem ganz anderen Weg“, so Schwarting. Er begrüßte ebenso, dass die geplante Fachwerk Triennale 18 sich dem Thema „Klima“ intensiv widmen wolle. „Wenn die Energiewende gelingen soll, muss energetisch saniert werden. Die Energiepreise werden weiter steigen“, so Schwarting. Und auch ein innerstädtischer Schutz gegen Hitze durch mehr Stadtgrün und weniger versiegelter Flächen sei dringend nötig. Förderprogramme für Klimaschutzmaßnahmen sind bereits vorhanden und würden weiterhin aufgelegt werden.
Die Stadt Eschwege hat viele Erfahrungen mit diversen Förderprogrammen gemacht, das seien gute Voraussetzungen, weitere Förderprogramme in Anspruch zu nehmen, so Heppe. Für Eschwege wünsche er sich einen Innenstadtentwickler, der die Bedürfnisse der Bürger vor Ort aufnehmen und im direkten Gespräch mit ihnen Projekte entwickeln könne. „Fachwerk ist keine Hürde, Fachwerk ist Baukultur mit großem Potential“, so der Bürgermeister.
Der Titel dieser Fachwerk Triennale 15 „Impulse aus der Wirtschaft“, steht auch für eine engere Zusammenarbeit zwischen den Städten und starken Partnern, die Investitionen tätigen und eine Stadt enorm beeinflussen können. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. und Oberbürgermeister von Celle, Dirk-Ulrich Mende, sprach sich in seiner Rede für eine stärkere Vernetzung aller Partner aus. Städte, Entwicklungsgesellschaften, Wirtschaftsunternehmen, Förderpolitik und Bürgerinitiativen sollten enger zusammenarbeiten. „Die Fachwerk Triennale sehe ich als eine Börse von Möglichkeiten, sich intensiv auszutauschen“, so Mende. Das Konsumverhalten der Menschen habe sich verändert, das Beispiel Eschwege zeige aber, dass kleinteiliger Einzelhandel in eine Fachwerkstadt passe.
Der Präsident der ADF, Prof. Manfred Gerner, dankte der Stadt Eschwege für eine außergewöhnliche Auftaktveranstaltung und plädierte dafür, die „Erfolge und erreichten Ziele weiter zu verstetigen“, schließlich bleibe die Arbeit für die Erhaltung der historischen Fachwerkbauten eine Daueraufgabe. Prof. Gerner rief die Trienanle 2009 ins Leben. Bei der Triennale 15 zeigt sich bereits, dass Triennalestädte in vielen Bereichen die Nase vorn haben und durch die gute Vernetzung der ADF und die persönlichen Gespräche der Teilnehmer, beispielsweise mit politischen Entscheidern, viele Hürden genommen werden konnten.
Begleitet werden alle Triennale Veranstaltungen vom Projektbüro STADT+ aus Leipzig. Dr. Uwe Ferber, der hier alle Fäden in der Hand hielt und die Moderation übernahm, konnte auch bei dieser Triennale wieder einmal Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft als Referenten gewinnen. „Die Nationale Stadtentwicklungspolitik ist das Spielfeld, das der Bund für die Städte bereithält. Sie müssen es also nur bespielen“, so Dr. Ferber, der als Referenten für diesen Tag auch Sabine Herz gewinnen konnte. Sie ist die Fachfrau der FIRU aus Kaiserslautern und Spezialistin, wenn es um Forschungs- und EU-Projekte geht. Außerdem vermittelte der Bürgermeister der Stadt Bad Münstereifel, Alexander Büttner, einen lebendigen Eindruck darüber, wie ein City-Outlet gewinnbringend für alle in eine historische Altstadt integriert werden kann. Bernhard Kleinhenz, Leiter der Planungs- und Projektabteilung der Otto Bock Holding GmbH & Co. KG aus Duderstadt, berichtete über die positive Stadtentwicklung durch private Initiativen des Ehrenbürgers Hans-Georg Näder. Dieser entwickelte in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung viele Leuchtturmprojekte und setzte sie erfolgreich um. Aus Wolfhagen berichtete Michael Joost über den Rückkauf eigener Netze, die Gründung einer Stadtwerke GmbH als 100-prozentige Tochter der Stadt und den Weg zur energieeffizienten Stadt mit eigenem Windpark, bei dem am Ende des Weges eine 25-prozentige Beteiligung der Bürgerschaft steht.
Dem Vortrag des Triennalebeitrages der Stadt Eschwege, präsentiert vom Fachbereichsleiter Planen und Bauen, Engelbert Thielemann und dem Geschäftsführer der Projekt-Entwicklungsgesellschaft, Wolfgang Conrad sowie Michael Herz von Plaungsbüro Foundation 5+ aus Kassel, schenkten alle Zuhörer ihre volle Aufmerksamkeit. Schließlich hat Eschwege schon viele gute Projekte vorzuweisen, die zu Auszeichnungen wie dem Preis für Nationale Stadtentwicklung oder dem des Besten kleinen Bahnhofs in Europa führten. Der Vortrag unter dem Titel „Wohnen in der Fachwerkstadt – Eschweger Initiativen“ zeigte, wie sich eine gute Stadtentwicklung nachhaltig auswirkt. Michael Herz, Foundation 5+ aus Kassel, bescheinigte Eschwege noch einige Flächen, die Potentiale hätten, um die Stadt noch weiter zu entwickeln. Allen voran die Flächen, die an die Werra heranreichen sowie die Hinterhöfe und Gärten von Altstadtquartieren. Ersteres wurde bereits mit dem Projekt der Zukunftswerkstadt Eschwege „Innenstadt – Stadt am Fluss – Stadt im Fluss“ im Februar 2006 entwickelt. Hier stehe die Verzahnung der Werra mit der Stadt im Bereich Unterer Stad, Wehr und Brückenhausen im Focus, wie Engelbert Thielemann sagte. Die Umgestaltung des öffentlichen Raumes solle vor allem die Lage am Fluss mit einbeziehen, aber auch die Konzentration von Einzelhandel entlang der Hauptachsen der Innenstadt berücksichtigen. „Wir wollen dadurch auch die Innenstadtentwicklung weiter stärken“, so Thielemann. Vor allem sollen weitere Plätze geschaffen werden, die für alle oder für wenige da sein können. Mit den Plänen über die Umgestaltung des Schlossplatzes habe man bereits begonnen. Jetzt warte man noch die Pläne eines Investors ab, der wohl nur aufgrund der städtischen Aktivitäten auch für sich gute wirtschaftliche Voraussetzungen erkannt habe.
Mit der Broschüre „Eschwege den Hof machen“, bekommen die Bürger Anregungen, ihre Innenhöfe und Gärten zu gestalten und so die Rückzugsmöglichkeiten innerhalb der Quartiere zu schaffen und so auch die Attraktivität der Fachwerkquartiere zu erhöhen.
Allein durch die Zusammensetzung der Referenten wurde deutlich sich, wie gut die ADF vernetzt ist und so Lobbyarbeit für die historischen Fachwerkstädte leisten kann. Die nächste Veranstaltung ist am 3. Juli, dann in der Fachwerkstadt Frankfurt Höchst.

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