Südniedersachsen für UNESCO

Südniedersachsen für UNESCO

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12. Oktober 2012_Einbeck. Was im Herbst 2010 in der Nörten-Hardenberger Erklärung niedergeschrieben wurde, trägt jetzt bereits Früchte. Die Kooperation „Fachwerklandschaft Südniedersachsen“ mit Duderstadt, Northeim, Nörten-Hardenberg, Osterode und Einbeck hat strategische Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die für die gesamte Region Rezepte zum Erhalt der Fachwerkstädte ausarbeiten. Schon jetzt werden private Investitionen durch neu aufgelegte Förderprogramme des Landes und der KfW unterstützt, Planer und Architekten bieten maßgeschneiderte Lösungen im Stadtumbau an, verkündete Dirk Puche, Planungsgruppe LangePuche aus Northeim, Mitte Oktober in den Berufsbildenden Schulen in Einbeck.
Beim 3. Fachwerktag Südniedersachsen, der im Rahmen der Fachwerktriennale 2012 stattfand, lobte Bürgermeister Ulrich Minkner diesen Zusammenschluss und die ersten Ergebnisse. „Wir haben eine großartige Fachwerklandschaft, die Kooperationen braucht“, so der Bürgermeister vor etwa 100 Gästen.
„Gemeinsames Handeln ist nötig, private Investoren müssen Anreize bekommen“, sagte Gerald Strohmeier, Baudirektor der Stadt und Organisator der Veranstaltung. Der Förderschwerpunkt müsse bei privaten Projekten liegen. In zehn Jahren sollen 45 Millionen Euro investiert werden, Einbeck muss ein Drittel der Förderkosten aufbringen. Als Ergebnis erhoffen sich die Stadtväter eine stärkere Altbausanierung und mehr modernen Wohnraum. „Auch Neubauten müssen möglich sein“, sagte Strohmeier und erinnerte an die Vereinbarkeit einer hohen Denkmaldichte in der Altstadt mit den Anforderungen einer historischen Fachwerkstadt, die für die Zukunft modern aufgestellt sein muss.
Prof. Manfred Gerner, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. aus Fulda, teilte diesen Arbeitsauftrag. “Viele Fachwerkstädte haben gleiche Probleme und Lösungsansätze, die im Dialog zu wertvollen Rezepten werden können“, sagte er. Neben dem demografischen Wandel, der den Städten der Kooperation einen Einwohnerrückgang von 20 Prozent bis 2030 prophezeit, sind in Altstadtkernen vor allem die veralteten Wohnstandards Grund des Leerstandes. „Die Wohnungen müssen modernisiert werden“, forderte Prof. Gerner, zudem sollten Plätze und Quartiere so gestaltet sein, dass Bürger und Touristen sich dort wohl fühlten. Nur so könnten Altstadtkerne belebt werden. Dafür gibt es Fördermittel von Stadt, Land oder Bund, das wissen viele Investoren, wie aber an sie herankommen?
Markus Merzbach von der KfW-Bankengruppe referierte über förderfähige Sanierungsmaßnahmen. Einen Kredit bekommen die Investoren demnach bei ihrer Hausbank, einen Zuschuss über die KfW. Deren Mitarbeiter seien telefonisch erreichbar oder im Internet zu finden. „Theoretisch ist das ganz einfach“, sagte Arne Loewen, der zurzeit ein historisches Fachwerkgebäude saniert und dabei auch einen KfW-Kredit in Anspruch nimmt. „Es war umständlich einen Energieberater Denkmal zu finden, der die geforderten Zahlen liefern muss“, so Loewen, das machte das gesamte Antragsprocedere schwierig, eine zentrale Anlaufstelle für Förderfragen würde hier weiterhelfen.
Doch nicht alle Fördermaßnahmen bekamen an diesem Tag eine gute Note. „Die Eigenheimförderung wurde viel zu lange betrieben und hat zum Aussterben der Innenstädte beigetragen“, sagte Bürgermeister Minkner, der sich noch mehr modernen Wohnraum privater Investoren in der Altstadt wünscht.
Damit diese nicht vom ältesten Feind des Fachwerks bedroht ist, forderten Prof. Gerner und Dr. Thomas Kellmann, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, den Brandschutz in besonderer Weise in die Tagesarbeit aufzunehmen. Am 17. August diesen Jahres brannten zwei Gebäude in Einbecks Altstadt. Dr. Thomas Kellmann forderte darum, die Gefache im Giebel „wie früher“ mit Lehm auf Innen- und Außenseite zu verputzen. „Die Bauordnung sollte das für Fachwerkhäuser vorschreiben“, sagte er, da auch beim jüngsten Brand die Flammen im Giebelbereich aufs Nachbargebäude übergreifen konnten.
Die Initiativen aus der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstraße e. V. konnten bereits dazu beitragen, das Interesse am Wohnen im Kulturgut zu erhöhen. „Unsere Kernstadt hat seit zwei Jahren keinen Einwohnerrückgang mehr“, sagte Bürgermeister Minkner. Vielleicht auch, weil Bürger mit in die Stadtplanungsprozesse einbezogen und über energetische Altbausanierung, Fördermittel und städtebaulichen Denkmalschutz aufgeklärt werde.
Bürgerbeteiligung geht via Fragebogen, damit hat Karin Schrader, Untere Denkmalschutzbehörde Göttingen, gute Erfahrungen gemacht. „Der CO² Ausstoß kann bis 2020 um 40 Prozent reduziert werden“, sagte sie nach einer Bestandserhebung in Göttingen. Brigitte Vorwerk, Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft Hannover, appellierte an die Bürger, Fördermittel zu beantragen. „10 Millionen Euro werden für Einbeck zur Gebäudesanierung in den nächsten 15 Jahren bereit gestellt, die müssen aber auch abgerufen werden“, sagte sie.
Der Erwartungs- und Erfolgsdruck an die Städte und die Bürger sind groß. Um Sanierungsträume zur Realität zu machen, müssen starke Kooperationen effektiv zusammenarbeiten. Die Fachwerklandschaft Südniedersachsen hat offenbar das Zeug dazu.
Den 4. Fachwerktag Südniedersachsen wird Hann. Münden im Herbst 2013 ausrichten.

 

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