Plätze gestalten

Plätze gestalten

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8. September 2012_Alsfeld. In diesem Jahr feierte die Stadt den 500. Geburtstag des Rathauses, das als bundesweit herausragendes historisches Gebäude alljährlich Tausende Besucher in den Vogelsbergkreis lockt. Doch immer wieder zeigen sich Bürger und Gäste über die Marktplatzsituation unzufrieden, Fachwerkfassaden allein reichen nicht aus, um zum Verweilen einzuladen. „Eine Stadt braucht Plätze, wo sich die Menschen gern aufhalten“, sagte Prof. Manfred Gerner von der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. aus Fulda, der dringend dazu rät, die Plätze der Stadt ins Visier zu nehmen. Doch über die Frage, wie es mit dem Marktplatz weiter gehen soll, gibt es gespaltene Meinungen. Die meisten Fußgänger wollen eine verkehrsberuhigte Zone, die Ladeninhaber fordern Parkplätze vor der Tür. Einen Konsens zu finden, der im Dialog mit den Bürgern erarbeitet wird, ist der Alsfelder Beitrag an der Fachwerk Triennale 2012, die am vergangenen Samstagnachmittag im Zunftsaal tagte. Bürgermeister Ralf Becker begrüßte an diesem Tag eine kleine Zuhörergruppe, zudem waren Dr. Uwe Ferber und Doreen Graumann vom begleitenden Büro aus Leipzig angereist, um mit Ute Koch und Michael Hölscher, beide zuständig für die Stadtplanung, Lösungsansätze für Alsfeld zu diskutieren. Die Gestaltungskriterien und Planungsprozesse wurden nach einem gescheiterten Bürgerbegehren gegen das Parken auf dem Marktplatz von einem Arbeitskreis angegangen. Ute Koch sah sich dafür auch in Göttingen um, wo Granitpflaster das holprige und schwer begehbare Basaltpflaster ersetzt. Zudem schlug sie vor, durch ebenerdig installierte Wasserfontänen, den Platz für Kinder attraktiver zu gestalten, ohne störende Möblierung einzusetzen. Doch da die Mittel aus dem Stadtumbau gestrichen wurden, können keine Aufträge an Straßenbaufirmen gegeben werden. Wie also vorgehen? Einen Ansatz bot der Gastredner Ralf Dötig aus der Triennalestadt Felsberg. Dort wurde die GeGeFe, eine in Jahr 2009 gegründete Genossenschaft damit beauftragt, gemeinsam mit den Bürgern umsetzbare Sanierungsmodelle zu entwickeln und damit die Lücke zu schließen, die eine Stadtverwaltung allein nicht ausfüllen kann. Die Genossenschaft erwarb Anteile an einem Solarpark und kann in den nächsten drei Jahren mit einer Ausschüttung von etwa 50.000 Euro rechnen, dieser werden in Projekte investiert, die der ganzen Stadt weiterhelfen sollen. „Wir sorgen für uns selbst“, sagte Ralf Dötig, schließlich hätten Kommunen und Politik nichts mehr zu verteilen, die Leistungskraft nehme ab, um die Städte finanziell zu unterstützen, müsse man an Stiftungen, wie die Bertelsmann Stiftung herantreten. Ein Praxisbeispiel zum Umbau eines Marktplatzes kam von Engelbert Thielemann, Fachbereichsleiter Planung und Bauen der Stadt Eschwege. Dort wird seit 2006 am Projekt Marktplatzkarree gearbeitet, Handlungskonzepte wurden erstellt, Bürgerversammlungen durchgeführt, seit April diesen Jahres wird umgebaut und der Verkehr ein Stück weit vom Marktplatz verdrängt. „Aber nicht ganz beseitigt“, sagte Thielemann, der auch auf die Situation der Menschen hinwies, die keine weiten Wege laufen könnten. In Eschwege hat man für diesen Triennale Beitrag eine Zukunftswerkstatt eingerichtet, dort wird Städtebau, Freiraumplanung und Stadtsoziologie betrieben, Planungsbüros sind mit im Boot. Für Doreen Graumann ist das der richtige Weg, erst eine umsetzbare Planung von Fachleuten erarbeiten zu lassen und dann die Bürger mit einzubeziehen. Aber eben diese Planung wird in Eschwege aus Mitteln des Stadtumbaus finanziert, darauf kann die Stadt Alsfeld nicht zurückgreifen. Der Vorschlag, dass den Alsfelder Bürgern noch die Möglichkeit bliebe, mit Muskelkraft und Arbeitseinsätzen ihren Marktplatz selbst zu Pflastern, so wie es in der stark vom Strukturwandel betroffen Stadt Altena in Nordrhein-Westfalen bereits gemacht werde, war zum Schluss der Veranstaltung eine gute, einfache und kostengünstige Lösungsvorschlag von Dr. Ferber. Jetzt gilt es noch, die Bürger zum gemeinsamen Arbeitseinsatz auf ihren Marktplatz zu holen.

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