Kunstgeschichte am Fachwerk erkennen

Kunstgeschichte am Fachwerk erkennen

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2. April 2014_Fulda. Ist es Romanik, Renaissance, Gotik, Barock oder Rokoko? Diese Frage lässt sich vor allem am Fachwerkbau schwer beantworten. Diana Joneitis gab 30 diplomierten Fachwerk-Gästeführern aus ganz Deutschland Anfang April das Werkszeug in die Hand, um diese Stilepochen besser deuten zu können. „Im Fachwerkbau wurden die Stilmerkmale einer Epoche mitunter erst von der nächsten Generation übernommen, sie reflektieren die stilprägenden Elemente oft später als der Steinbau etwas hinterher“, sagte die zukünftige Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. während ihres Fachseminars Fachwerk in Spiegel der Baustile und Kunstgeschichte. Dabei zeigte die Kunsthistorikerin deutlich, wo ihre Stärken liegen. Im Refektorium der Propstei Johannesberg in Fulda und im Außenbereich des romanischen Bauwerkes mit barocken Umbauten machte die 32-Jährige deutlich, dass sich dieses Seminar als Einführung in die Stilepochen verstehe, nicht aber der genauen zeitlichen Zuordnung der Bauten dienen könne. „Es gibt fließende Übergänge, Jahreszahlen an den Gebäuden können nur grobe Orientierung sein, in welche Epoche ein Fachwerkhaus einzuordnen ist“, so Diana Joneitis, die es als Medienkommunikationswissenschaftlerin verstand, die Gästeführer auf ihre hochkarätige Zeitreise durch die Epochen mitzunehmen.
Die Analyse einer Bildtafel der Lateinschule in Alfeld zeigte, dass der Fachwerk-Gästeführer neben zeitlichen Epochen auch das Alte und Neue Testament kennen sollte. Baum, Schlange, Hase, ein Mann und eine Frau, die nackt unter dem Baum sitzen und Äpfel in den Händen halten, was ist damit gemeint? „Es ist eine Szene aus dem Alten Testament“, klärt Diana Joneitis auf, die Menschen zeigten sich noch nackt, die Frucht der Erkenntnis in den Händen haltend, der Hase sei Zeichen der Vermehrung und des allein auf Gott vertrauenden Menschen. Die Lateinschule wurde 1610 gebaut, dieses und andere Gebäude könne man über Grundriss und Aufriss analysieren, Fenster- und Türformen seien gut in Epochen einzuordnen, ebenso die Dachformen.
Das Seminar beinhaltete Exkurse durch gotische Kreuzgewölbe und Sakralbauten, mittelalterliche Glasmalerei, barocke Fachwerkkirchen bis hin zum 19. Jahrhundert, wo Klassizismus, Historismus und Jugendstil langsam die Moderne einleiteten. Mit Übungen zur Einordnung von Fachwerkbauten schloss das qualitativ hochwertige Seminar, das den Fachwerk-Gästeführern mit Fachwissen und Buchempfehlungen eine wertvolle Weiterbildung bescherte. Das nächste Aufbauseminar findet im Herbst für die diplomierten Fachwerk-Gästeführer statt, danach wird es im Themenblock VI in die Seminarreihe der Deutschen Fachwerkstraße aufgenommen.  (dw)

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