Frankfurt Höchst und die Fachwerk Triennale

Frankfurt Höchst und die Fachwerk Triennale

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3. Juli 2015_Frankfurt Höchst. Auf der Bolongarostraße fahren Autos, Motorräder und Lieferwagen, dazu noch Linienbusse. Es ist eine enge Hauptverkehrsstraße des Frankfurter Stadtteils, in dem Fachwerkhäuser aus dem 15. bis 19. Jahrhundert stehen, wo der alte Höchster Marktplatz, das älteste Hospital oder die älteste Kirche des gesamten Frankfurter Stadtgebietes direkt oder in unmittelbarer Nähe zu finden sind. Doch der Straßenverkehr in der Bolongarostraße ist rasant und laut. Radfahrer und Fußgänger brauchen gute Nerven, um sich hier ihren Weg zu bahnen, Parkplätze sind Mangelware, kleine Ladengeschäfte stehen leer, ausreichend investiert wurde hier schon lange nicht mehr.
Die Zukunft dieser Straße ist ein Thema beim Höchster Beitrag „Mind the gap!: (Zwischen)nutzung von Ladenleerständen durch Kreative“, der Fachwerk Triennale 15, die Anfang Juli im Bolongaropalast stattfand. Die Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. (ADF) ist ein Modellprojekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, die den Ausbau von Partnerschaften mit der Wirtschaft fördert. Im Kapellensaal folgten die Gäste und Referenten den Ausführungen der Vertreter des Stadtplanungsamtes Frankfurt, der NH│Projektstadt, RADAR – Kreativräume für Frankfurt sowie der Wohnheim GmbH Frankfurt und einer Vertreterin der Kreativwirtschaft. Gemeinsam zeigten diese, was sich aus der Idee des Designparcours entwickelt hat, durch kurzzeitige Zwischennutzungen Mieter für langfristige Mietverträge zu finden und die Eigentümer davon zu überzeugen, dass weniger Mieteinnahmen für kurze Zeit erst einmal besser sind, als gar keine. In dem Zusammenspiel aller Akteure tritt die Nassauische Heimstädte als Mieter auf, die Ladengeschäfte werden von ihr an Kreative weitervermietet. Stadtplanungsamt und NH│Projektstadt haben dazu noch einen Kreativ-Fonds gebildet, der den Untermietern durch Bezuschussung die Miete bezahlbar macht. Im Ergebnis entsteht ein unkompliziertes Mietmodell mit kurzfristigen Mietverträgen.
Die Stadt Frankfurt reagierte bereits im Jahr 2006 auf die Ladenleerstände und legte ein zehnjähriges kommunales Förderprogramm für die Innenstadt von Höchst auf, 2013 wurde der Stadtteil Höchst Mitglied in der Deutschen Fachwerkstraße, auch das gehört zur Innenstadtentwicklung. 20 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung, 15 Millionen für Sanierungs- und Restaurierungsaufwendungen und fünf Millionen Euro für den Ausbau der Kreativwirtschaft.
Man setzte gemeinsam Impulse für die Stadtentwicklung und den Tourismus, außerhalb von bestehenden Szene-Vierteln und ist vor allem mit dem 2012 erstmals veranstalteten „Höchster Designparcours“ nachhaltig erfolgreich, soviel steht für Bürgermeister Olaf Cunitz bereits fest. „Kultur an der richtigen Stelle, gute Leute in der Stadtverwaltung und die Potentiale innerhalb der Quartiere sind hier erfolgreich zusammen geführt worden“, so Cunitz, der jetzt feststellen musste, dass „für den sechsten Designparcours die Locations ausgehen, weil viele Leerstände beseitigt werden konnten.“
Diese Erfolge zu verstetigen und den Blick auf Höchst in drei Jahren zu richten, ist Aufgabe der Fachwerk Triennale 15, die von Dr. Uwe Ferber, Projektgruppe Stadt + Entwicklung aus Leipzig, begleitet wird. Dafür hat Dr. Ferber neben Prof. Kai Vöckler von der HfG Offenbach, Friedhelm Meyer von der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt e. G und Marc Altenburg aus Berlin auch Marc Villarubias, Chef de Mission Coopération Culturelle, aus Lyon nach Frankfurt geholt. Der Nachbar aus Frankreich stellte die Quartiersentwicklung durch Kreative in einem Lyoner Stadtteil vor, das viele Parallelen zu Höchst aufwies. „Wir können nach 20 Jahren Projektlaufzeit etablierte Projekte auf andere Lyoner Stadtteile übertragen“, übersetzte Dr. Ferber den Vortrag des französischen Stadtentwicklers. Dabei sei die Integration von Zuwanderern, die Entwicklung der öffentlichen Räume, Wohnungsbau und –sanierung sowie die Integration von Kunstprojekten als Ganzes entwickelt worden und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ökonomen, Politikern und Bürgern gelungen.
In der Abschlussdiskussion richtete der ehemalige Denkmalpfleger der Stadt Frankfurt und heutige Präsident der ADF, Prof. Manfred Gerner, den Blick auf die „Herausforderung Bolongarostraße“ durch kleinteilige Liegenschaften, die aber für eine Mischung aus Lärm vertragenden Geschäften und Kreativwirtschaft geeignet seien. Prof. Gerner war in den 1970er Jahren Denkmalpfleger der Stadt Frankfurt und auch für Höchst zuständig. Er sorgte seinerzeit dafür, dass innerhalb von fünf Jahren 52 Fachwerkgebäude freigelegt, saniert und das historische Kopfsteinpflaster weitgehend von Asphalt befreit wurden.
Diese gelungene Denkmalpflege zahlt sich heute noch aus. Wer durch die Straßen und Gassen der Höchster Altstadt geht, kann dort gut sanierte Fachwerkbauten und das freigelegte Kopfsteinpflaster, insgesamt also das historische Höchst entdecken, mit 7,5 Hektar das größte geschlossene Fachwerkensemble der Metropolstadt. Idyllisch an Nidda und Main gelegen, scheint sich dieser Stadtteil zum neuen Geheimtipp für Menschen zu entwickeln, die sich im Westen Frankfurts in einem kreativen, multikulturellen und „höchst“ interessanten Lebensumfeld mit dem Stadtteil weiterentwickeln wollen.

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