Fachwerk in Herleshausen

Fachwerk in Herleshausen

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Modern leben um 1900

Geschichte
Um 1895 kaufte Dr. med. Emil Marsch (1869 – 1945) das Haus Nr. 11 vom Apotheker Theodor von Jeß. Die Praxis wurde zuerst dort eingerichtet, 1904 zog man in das umgebaut Haus Nr. 11a. Ehefrau Bertha Marsch (1873 – 1956) unterstützte ihren Mann in der Praxis, kümmerte sich um die drei Kinder und war Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins des Deutschen Roten Kreuzes. Sie symbolisierte die moderne Frau des jungen 20. Jahrhunderts, engagierte sich sozial und fuhr als erste Frau in Herleshausen mit dem Fahrrad. Ihr Mann besaß 1904 das erste Automobil der Umgebung.
Mit dem Wartburg-Wagen von den Dixi-Werken in Eisenach „fuhr“ er zu den Hausbesuchen. In der Kirchenchronik Oberellen ist vermerkt, dass ein Pferd vor dem geparkten Auto gescheut habe und aus seinem Gespann heraus in den Wagen gesprungen sei. Das zweite Pferd sei dann samt Pferdewagen, Auto und tierischem Insassen durchgegangen.
Emil Marsch praktizierte bis zu seinem Tod im Jahr 1945, fünf Jahre später übernahm Dr. med. Erich Marsch (1903 – 1976) die Praxis, nachdem er aus der Gefangenschaft kam. Mit Ehefrau Ilse und vier Kindern begann gelang auch ihnen der Neuanfang, im Jahr 1973 wurden die Patienten an den damals 30-jährigen Sohn, Dr. med. Hans-Peter Marsch übergeben. Einige Patienten wurden von allen drei Doktoren-Generationen behandelt.
Hans-Peter Marsch hat neben Krankengeschichten auch viele Alltags-Gegenstände aus dem Altefeld wie Hebammenkoffer, Bauernapotheke und Dokumente gesammelt. Aus der eigenen Familiengeschichte sind Instrumente, Inventar und Literatur vorhanden. All das ist im „Museum Im Ärztehaus“ zu sehen. Zum Abschluss der Ära der „Landarztfamilie Marsch“ in Herleshausen lässt Hans-Peter Marsch diese stillen Zeitzeugen über das Leben im Südringgau erzählen.

Fachwerk
Um 1780 wurde Haus Nr. 11 erbaut, an den Eckständern sind Dreiviertelstreben, in der Mitte zusammenlaufende (= konvergierende) Fußstreben verbaut. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Haus um einen „Kniestock“ erhöht und die Raumhöhe vergrößert. Jahrzehnte lang war die gesamte Fassade verputzt. Das Haus Nr. 11a wurde um 1900 von einer Fellscheune zum modernen Wohnhaus mit zentraler Warmluftheizung, Veranden, Balkon, Wintergarten und farbigen Fenster-Einfassungen umgebaut. Windfang, „Zwerchhaus“ (zwerch = quer zum First) und das Glas der Sprossenfenster, machen es zu einem Unikat.
Im Biedermeiergarten hinter dem Haus umspielen Blumen, Efeu, Hecken und Rosenbögen die Gartenarchitektur aus Grottensteinen. Erhalten blieben die Werkzeuge zur Bewirtschaftung des Nutzgartens und der Biedermeiergarten. Er spiegelt immer noch das besondere Lebensgefühl dieser Familie wider.

Das Thema: Modernisierung
Was in den Städten schon vollzogen war, kam zwischen 1880 und 1930 in den ländlichen Regionen an: die Modernisierung. Zu einer Zeit, als der Massivbau den Fachwerkbau ablöste, erregte das die Gemüter der Menschen und spaltete die Gesellschaft. Modern bedeutete, einen Lebensstil zu zeigen, der neben Wohnungen mit hohen Räumen, Zentralheizung und anderem Komfort auch die eigene „Urbanisierung“ (Verstädterung) ausdrückte. Eine Zeit, in der der „Fachwerk-Historismus“ als Gegenbewegung die Baukultur prägte. (507)

Im Ärztehaus praktizierten:

Dr. med. Adolf Meyer (1891 – 1894)
Dr. med. Emil Marsch (1905 – 1945)
Dr. med. Reinhard Feistkorn (1948 – 1950)
Dr. med. Erich Marsch (1950 – 1973)
Dr. med. Hans-Peter Marsch (1973 – heute)

 

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