Fachwerk fit für die Zukunft

Fachwerk fit für die Zukunft

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30. Juni 2012_Bietigheim-Bissingen. Sie sind Mitglied der Deutschen Fachwerkstraße, Teilnehmer der Fachwerktriennale 2012 und haben noch viel vor. Denn auch die als Enz-Florenz bekannte Stadt an Enz und Metter muss zukunftssicher aufgestellt sein. Im Gegensatz zu den Problemen der meisten Triennaleteilnehmer, die mit sinkenden Einwohnerzahlen und immer höheren finanziellen Belastungen zu kämpfen haben, scheint es Bietigheim-Bissingen mit knapp 43.000 Einwohnern vergleichsweise gut zu gehen. Der größte Gewerbesteuerzahler ist Porsche, dazu kommen etliche Zuliefererfirmen, Olymp oder Dürr Dental. Erster Bürgermeister Joachim Kölz berichtete von Arbeiten am Nahwärmenetz in den Straßen der Altstadt. Auf Initiative der Stadtwerke und der Stadt können die Bürger in Zukunft mit günstiger Wärme versorgt werden. Die Stadtwerke verlegen das Netz derzeit auf eigene Kosten, einige Verwaltungsgebäude und ein Einkaufszentrum stehen als Kunden fest, damit refinanzieren sich Teile des Netzes im Laufe der Jahre. Zurzeit wirbt man private Hausanschlüsse, die Leitungstrassen-nah angeschlossen werden können. „Die Kosten sind gering, lediglich den Hausanschluss von der Hauptleitung und ein geringer Netzkostenbeitrag wird fällig“, sagte Kölz. Nach Umstellung der Heizungsanlage und Installation einer Wärmeübergabestation seien die Preise für Nah- und Fernwärme im Stadtgebiet so günstig, dass sich gegenüber anderen Heizungsarten langfristig schon heute Vorteile ergeben. Ideal für Fachwerkhäuser.
„Wir helfen uns zwar selbst, brauchen aber weiterhin Fördermittel“, betonte Kölz vor etwa 50 Gästen der Teilnehmerstädte Ende Juni in Kirchheim unter Teck, wo die gemeinsame Veranstaltung begann. Bietigheim-Bissingen hat bereits große Schritte gemacht. „Die Innenstadt bietet eine attraktive Mischung aus Wohnungen, Gewerbe und Handel inmitten historischer Bausubstanz“, sagte Dr. Uwe Ferber, Projektgruppe Stadt und Entwicklung, während einer Stadtführung. Stadtarchivar Stefan Benning sprach dabei vom „Umdenken der Stadtväter im Jahr des Denkmals 1975, die das Rathaus oder den Unteren Torturm abbrechen und in einem Stadtteil als Freilichtmuseum wieder aufbauen wollten.“ Doch eine Bürgerinitiative nutzte das internationale Jahr des Denkmals und überzeugte die Ratsherren, ihre Pläne zu überarbeiten.
Prof. Manfred Gerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. und zuständig für die Fachwerktriennale, beglückwünschte die Stadt zu ihren aktiven Bürgern. „Auf Basis einer guten wirtschaftlichen Entwicklung wurde leider 1975 mit der Flächensanieren begonnen“, so Prof. Gerner, der darauf aufmerksam machte, dass eine Bürgerinitiative diese Entwicklung gestoppt und somit Bürgerwillen das Fundament für die heute erfolgreiche Stadt begründet hat. Man kaufte Gebäude auf und sanierte ortsbildgerecht, etwa mit den in Württemberg üblichen Fachwerkfarben Rot, Ocker und Grau. Die Häuser werden öffentlich genutzt und sind vermietet. Auch das Hornmoldhaus oder „die Kelter“ mit einem imposanten Hängewerk, sind Paradebeispiele für erfolgreiche öffentliche Einzelsanierungen.
„Die Menschen sollen in der Altstadt wohnen und einkaufen, sie sollen arbeiten und dort leben“, sagte Joachim Kölz. „Für 15 Millionen Euro wurde das Kronenzentrum und das Arkadengebäude umgebaut“, so Kölz weiter, denn gäbe es die Einkäufer in der Innenstadt nicht, sähe es düster aus, unterstrich er.
Heute kann Bietigheim-Bissingen mit 1001 malerischen Gassen, Plätzen, Brunnen und Höfen werben, ein Badepark, Eissporthalle, Sportanlagen und vieles mehr macht die Stadt zwischen Stuttgart und Heilbronn lebendig und attraktiv. 27 Kindertagesstätten zeigen das große Betreuungsangebot für junge Familien und dennoch ist auch bei paradiesischen Zuständen die Rufe nach Weiterplanen, Weiterbauen und Fördermitteln zu hören. Die Landesregierungen müssen ihre Fachwerkzentren auch weiterhin im Auge haben. „Jetzt kommt es darauf an, dass sich Bietigheim-Bissingen in fetten Jahren für magere Jahre rüstet“, sagte Prof. Gerner, dabei helfe auch die „Spurensuche“ in der Fachwerktriennale.

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