Fachwerk als Ausbildungsschwerpunkt

Fachwerk als Ausbildungsschwerpunkt

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Triennale 19 in Eschwege widmet sich der Integration durch Handwerk
von Diana Wetzestein

Das Handwerk hat noch immer nicht den Stellenwert in der Gesellschaft, den es haben sollte. Dabei ist der Fachkräftemangel dort bereits zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Schon jetzt gibt es nicht ausreichend Auszubildende und Gesellen. Das Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft in Eschwege, als wichtiger Standort für die Ausbildung und Qualifikation im Handwerk, kann dieser Entwicklung entgegenwirken.

17.10.2019_Eschwege. Die Kreissäge läuft auf Hochtouren. Es wird gemessen, angezeichnet und aufgebaut. Aus den Zuschnitten fertigen die 25 Auszubildenden erstmals in ihrem Berufsleben schulterhohe Schalungen. Ihr erstes Ausbildungsjahr haben sie im August begonnen. Und obwohl sie aus verschiedenen Handwerksberufen kommen, arbeiten sie im 1. Ausbildungsjahr hier zusammen, erleben, was ein Maurer, Zimmerer, Betonbauer, Fliesenleger oder Straßenbauer macht und was er kann.

Diese 25 jungen Menschen sind die Protagonisten in der Fachwerk Triennale 19 der Fachwerkstadt Eschwege. Ausbildungsleiter Heiko Schilling stellte Mitte Oktober in den Räumen und Werkshallen des ABZ eine dafür konzipierte Lerneinheit „Fachwerk und Qualifizierung“ vor. „Sie geht vom Rohstoff Holz bis zur Oberflächenbehandlung mit ökologischen Materialien, wobei die Schwerpunkte bei Fachwerkkonstruktion, Holzverbindungen, Entwurf, Abbund und Verzimmern eines Fachwerkgebäudes liegen. Vor allem die Exkursionen werden für die Auszubildenden einen echten Mehrwerkt haben“, sagte ihr Ausbildungsleiter Heiko Schilling. Dokumentation und eine Abschlusspräsentation im Sommer 2020 sollen das belegen.

„Die Ergebnisse aus allen neun Teilnehmerstädten tragen zur Stärkung und Imagebildung des Handwerks bei. Außerdem liegt ein Schwerpunkt auf der Integration und Qualifikation von Migranten“, sagte Maren Sommer-Frohms, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. aus Fulda. „Wir brauchen für die Fachwerkstädte und Projekte wie das am ABZ spezielle Förderprogramme. Direkte Fördermittel für die Fachwerksanierung sind wichtig, ansonsten können wir die Eigentümer nicht in dem Maß von einer Sanierung ihrer Fachwerkgebäude überzeugen, wie es für die Energiewende und den Denkmalschutz wichtig ist“, sagte sie

Die Triennale-Abordnung, zu der auch Dr. Uwe Ferber, Projektbüro StadtLand aus Leipzig sowie Engelbert Thielemann, ehemaliger Fachbereichsleiter Planen und Bauen in Eschwege gehörten, sprach vor Ort mit fünf deutschen Auszubildenden im Zimmererhandwerk und zwei afghanischen Auszubildenden, die eine Ausbildungsstelle als Maurer und Straßenbauer gefunden haben. Ihr Einstieg in die Ausbildung gelang über eine Einstiegsqualifizierung (EQ) am ABZ. Dort hätten sie auch erste Kontakte geknüpft, Mut, Vertrauen für das neue Leben und eine neue Heimat gefunden, berichtete Schilling.

Alle Auszubildenden wünschten sich zu Beginn mehr Zeit im Ausbildungsbetrieb, um die Bindung zum Betrieb von Anfang an zu stärken. Entscheidend für die Berufswahl sei zudem, dass die Ausbildungsstätten gut erreichbar seien und sie nicht zu weit fahren müssten. „Wir plädieren für die dezentrale Ausbildung, weil wir auch in diesem Jahr nicht so viele Auszubildende hätten, wenn wir hier in Eschwege keine überbetriebliche Ausbildung anbieten könnten“, so Schilling.

Dieses Projekt ist der vierte Triennale-Beitrag aus der Fachwerkstadt Eschwege. „Handwerk und Fachwerk prägen das Bild und die Identität dieser Region, die für geflüchtete ihre neue Heimat werden könnte“, sagte der Bürgermeister Alexander Heppe. Die Ausbildungsstätte als ein Projekt in die Triennale 19 aufzunehmen, hält er für äußerst wichtig.

„Die Fachwerklandschaft prägt die Ortsbilder der gesamten Region“, so Bürgermeister Heppe. Umso besser, dass das Projekt dem Lehrgang 2019/2020 das Fachwerk noch exklusiver vermitteln will, als das bisher innerhalb der Ausbildung der Fall war. „Wir sind froh, dass wir das ABZ für das Bauhandwerk in dieser Qualität am Standort Eschwege haben. Mir sind Fälle aus der Region bekannt, wo Betriebe vor der Schließung stehen, weil sie keinen Nachwuchs finden. Aufträge sind vorhanden, aber die Arbeitskräfte fehlen. Darum schätze ich das Angebot des ABZ sehr und hoffe, dass wir noch mehr junge Menschen finden, die ihren Berufsweg im Handwerk sehen“, so der Bürgermeister.

In Eschwege und dem gesamten Kreis müssen sich Schulen und Ausbildungszentren den immer neuen Herausforderungen durch Zuwanderung stellen. Sie wollen die Chancen nutzen, habe dafür viele Hürden aus dem Weg geräumt. Was immer dableiben wird, sind die Hindernisse durch mangelnde Deutschkenntnisse. Klar ist: nur wer die Sprache versteht, kann eine Ausbildung erfolgreich abschließen. Das ABZ bietet speziell für das Bauhandwerk einjährige Ausbildungskurse für Migranten an, um sie für den Einstieg in die Ausbildung zu qualifizieren, so Schilling.

Für den Werra-Meißner-Kreis ist die Nähe zu Thüringen ebenfalls eine Herausforderung. „Der Werra-Meißner-Kreis ist, was die Verdienstmöglichkeiten angeht, schlecht aufgestellt. Die Tarife sind immer noch nicht angeglichen, unsere Nachbarschaft mit Thüringen macht unseren Betrieben das Leben schwer“, so Schilling. Darum stellt er das Besondere des ABZ heraus: Die Trägerschaft durch die Bau-Innung Werra-Meißner. Mit etwa 35 Betrieben aus dem Bauhauptgewerbe der Region sei sie für die Finanzierung der überbetrieblichen Ausbildung zuständig. Die gute Qualität der Ausbildung käme den Betrieben somit direkt zugute.

Eschwege nimmt bereits zum vierten Mal an einer Fachwerk Triennale teil. Das Interesse der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. am ABZ ist nicht nur dem Zeitgeist geschuldet, vielmehr arbeitet die ADF seit Jahrzehnten an diesen Themen und hat damit sicherlich schon viel erreicht. „Wir haben in Eschwege ein gutes Beispiel dafür, wie in der praktischen Berufsausbildung das Thema Fachwerk mit der Integrations- und Migrationsthematik objektiv verknüpft werden kann.  Es gibt eine klare Perspektive für Jugendliche, die sich hier einbringen, damit längerfristig beruflich in einer Qualifikation befinden und hoffentlich hier auch heimisch werden“, sagte Dr. Ferber am Ende des Gespräches.

Die Ergebnisse aller Teilnehmerstädte werden auf einer Abschlussveranstaltung am 25. November in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin präsentiert. Info: www.fachwerk-triennale.de

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