HCH – 5. Werkstattgespräch

HCH – 5. Werkstattgespräch

Egger Sägewerk Brilon – Von der Spanplatte zur Dachlatte
Brilon. 14. März 2018. Der Anblick ähnelt dem Betriebsgelände eines Energieversorgers. Rauch steigt aus den Schornsteinen auf und tatsächlich werden hier aus Holzresten Wärme und Energie erzeugt. Und zwar für das eigene Werk der EGGER Gruppe in Brilon. Es ist einer von 18 Standorten eines besonderen Familienunternehmens, das in acht Ländern dieser Welt zusammen mehr als 9.000 Mitarbeiter aus 50 Nationen beschäftigt. Der Gebietsverkaufsleiter Deutschland Mitte, Manuel Beib, erlebt „EGGER als sympathisches Familienunternehmen“, wie er den Mitgliedern des Holzbau Cluster Hessen (HCH) sagte, die von ihm in den Geschäftsräumen in Brilon zum 5. Werkstattgespräch empfangen wurden und interessante Informationen zur Entwicklung der EGGER-Gruppe erhielten.

Besondere Partner wie die Firma EGGER für das Cluster zu gewinnen, sie zu vernetzen und den Holzbau in Hessen und Deutschland voranzutreiben, ist das Ziel dieser Holzinitiative. Projektleiter Heinz Moering und Walter Maiß, stellvertretender Vorsitzender des HCH, nahmen die Einladung der Firma EGGER gern wahr und bekamen neben einem Rundgang durch einen kleinen Teil des Standortes Brilon vor allem interessante Hintergründe zur maschinellen Festigkeitssortierung von tragendem Schnittholz geliefert.

Manuel Beib berichtete, dass die EGGER Gruppe pro Jahr 7,9 Millionen Kubikmeter Holz verarbeite. „76 Prozent davon werden zu Möbel- und Innenausbauteilen, 13 Prozent zu Fußboden- und nur 11 Prozent zu Bauprodukten, wie USB-, Spanplatten, Dachlatten oder Kanthölzern“, so Beib. Damit macht EGGER 2,5 Milliarden Euro Umsatz, stetig gewachsen aus der Herstellung der Spanplatte, die von Fritz Egger sen. 1961 in St. Johann produziert wurde. Damals wurden aus Holzresten Bauprodukte gemacht und auch heute noch besteht die EGGER-Spanplatte zu 30 Prozent aus Recyclingmaterial.

„Das Stammhaus der EGGER Gruppe ist ein repräsentatives, vierstöckiges Holzgebäude, an dem 3.115 Kubikmeter Holz verbaut wurden. Es ist der größte vierstöckige Holzbau in Österreich mit einem Fahrstuhlschacht aus 40 mm starken, verleimten USB-Platten“, so Beib. Zudem sorge eine Brauerei mit über 400 Mitarbeitern dafür, dass dem EGGER-Team die Getränke nicht ausgehen. Wo so viel gearbeitet wird, muss wohl auch mal auf den Erfolg angestoßen werden.

Hubertus Becker, Holzbetriebswirt und in Brilon zuständig für die technischen Abläufe, führte die Gruppe im Anschluss durch die Sägehalle und das Hobelwerk. Dabei wurden die Dimensionen des Unternehmens sichtbar und vor allem die enormen Geschwindigkeiten, mit denen jedes Stück Holz vorangetrieben wird, bis es am Ende in einem Stapel verpackt und markiert für den Abtransport bereitgestellt wird, beeindruckten die Gäste. EGGER hat beispielsweise die schnellste Plattenbündelungsanlage der Welte, aber trotz hoher Geschwindigkeiten, wird die Qualitätssicherung garantiert. Damit hat sich EGGER den Ruf geschaffen, „die etwas andere Dachlatte“ produzieren zu können. Es ist ein Produkt, das rechtliche Sicherheit schafft.

„Neben der Zulassung durch die BG Bau und Verbände, einer roten Stirnmarkierung, dem CE-Kennzeichen jeder einzelnen Latte, der jederzeit abrufbaren Leistungserklärung sind es auch die Begleitdokumente in jedem Paket, das der Handwerker auf der Baustelle in Papierform vorhalten muss“, erklärte Moritz Steinruck nach dem Rundgang. Der gelernte Zimmermann ist bei EGGER Leiter für Produktmanagement, er erläuterte den Gästen die verschiedenen Möglichkeiten der maschinellen Sortierung für tragendes Schnittholz nach EN 1408-1.

Hier ist EGGER den Mitbewerbern offenbar um Längen voraus. In 90 Prozent der europäischen Sägewerke werde demnach visuell sortiert, das entspräche der DIN 4074-1. „Sie fragt einfach nur ab, ob der Ast größer als eine Hälfte der Breite ist“, erklärte Steinruck. In nur zehn Prozent der Betriebe würde die maschinelle Sortierung eingesetzt, damit könne auch die Festigkeiten maschinell festgestellt werden, so Steinruck. „In Europa ist man beim Sortieren damit noch in der Steinzeit“, sagte er. EGGER setzt bereits auf modernste Röntgen- oder Lasertechnik, ein sogenanntes „Goldeneye“ lässt ins Innere des Holzes blicken und das Wachstum der Äste und Fasern erkennen. Damit macht es die Schwachstellen im Querschnitt sichtbar. Der Vorteil dieser maschinellen Sortierung ist aber die Kontrolle. Die Norm für die zertifizierte Anlage wird alle 24 Stunden anhand von Kontrollbrettern überprüft zudem wird zweimal im Jahr vom Zertifizierungsunternehmen extern alles überprüft, inklusive der Daten.

„Für jedes Stück Schnittholz, für jedes Bauholz braucht es verschiedene Festigkeitsklassen. Mit unserer Sortierung können wir bestimmte Festigkeiten gewährleisten, damit Planer und Statiker damit rechnen können“, so Steinruck. Der Weg dorthin beginnt bereits am Rundholzplatz, wo jeder einzelne Stamm nach Länge und Stärke vorsortiert wird. Danach erfolgt eine erste maschinelle Sortierung auf Äste und deren Lage, die Position von Faulholz, Jahresringabstand, Kernholz, Fremdkörper und den Durchmesser der Rinde. Der Stamm, der im Sägewerk zur Weiterverarbeitung ankommt, wurde zuvor bereits von allen Seiten gescannt und so positioniert, dass jedes Stück aus einem Stamm die optimale Festigkeit hat. Die Latten und anderes Bauholz werden mit einer Wiederholgenauigkeit von 99,8 Prozent exakt auf allen vier Seiten kontrolliert und aussortiert. Danach wird visuell kontrolliert, die Mitarbeiter müssen dabei innerhalb kürzester Zeit den Fehler erkennen, der dann noch durchgerutscht sein sollte. Der Mensch bleibt also Teil der Fertigung.

Derlei Einblicke in ein Unternehmen wie EGGER zeige, dass „der Holzbau ein weites Aufgabenfeld ist, die Modernisierung und Automatisierung immer schneller voranschreitet“, so Walter Maiß am Ende des Werkstattgespräches. Wichtig sei es, dass der Wald als Grundlage für den Rohstoff weiterhin zur Verfügung stehe und die Politik dafür die richtigen Weichen stelle.

Um es den Politkern leichter zu machen, wolle man einen Masterplan Holzbau in Hessen aufbauen, erklärte Heinz Moering. „Das müssen wir gemeinsam machen, mit Forst und Universität, mit Sägewerk und Handwerk. Weil dort eine Strategie notwendig ist, um nicht wieder ins Abseits gedrängt zu werden“, sagte der Projektleiter und konnte bereits auf das 6. Werkstattgespräch im Juni hinweisen.

 

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