Bürgerschloss

Bürgerschloss

18. September 2012_Homberg/Ohm. Wir haben ein Schloss gekauft. Dieser Satz stammt von Bürgermeister Béla Dören, der Hombergs Stadtväter erst in diesem Jahr davon überzeugt hat, die Homburg zu erwerben. Die soll nicht etwa ein Sterne-Hotel-Restaurant werden, vielmehr hat der Verein „Schlosspatrioten“ für die etwa 8.000 Homberger Bürger aus Kernstadt und den 13 Ortsteilen das Schloss seine Hände genommen. Im „Bürgerschloss“ über der Stadt gibt es seit dem Veranstaltungen für Bürger und Gäste.
Die Idee dazu wurde vor einem Jahr geboren, als die Vorgespräche zur aktuellen Fachwerk Triennale 2012 liefen und das Schloss zum Verkauf stand. Für viele kaum vorstellbar, dass die Stadt Eigentümer werden könnte, als Bürgermeister Dören Gebrauch vom Vorkaufsrecht machte, war das umstritten. Rückendeckung für diese Entscheidung gab es von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fachwerkstädte e. V., in der Prof. Manfred Gerner zum Kauf riet, damit die Stadt um eine Attraktion reicher und damit wieder zum Ziel für Touristen würde. Der Tourismus sei viel zu lang als „Nebenerwerb“ angesehen worden, so Prof. Gerner, jetzt müsse dieser erfolgreich und schnell ausgebaut werden.
Vergangene Woche wurde im Rahmen der Triennale in der Homberger Stadthalle über neue Perspektiven, die Installation neuer Medien, Techniken und Destinationskonzepte gesprochen, die Platz für Individualität lassen. Zum Fachgespräch vor etwa 40 Zuhörern waren auch Gäste anderer Triennalestädte geladen, die bei unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten die Marke „Fachwerk“ vereint.
Homberg hat mit dem Schloss jetzt sein Alleinstellungsmerkmal. „Wir wollen die Stadtplanung in Kombination mit Tourismus vorantreiben“, so Bürgermeister Dören, der als einen weiteren Erfolg die Eröffnung der Tourist-Information in den Geschäftsräumen eines Textilgeschäftes präsentieren konnte. Ein Café und saisonale Gastronomie für den Bustouristen sollen folgen. Damit es dort möglichst viel Arbeit gibt, muss die Fachwerkstadt attraktiv sein. Schließlich sei der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und für Kleinstädte oftmals die einzige Chance, Einnahmen zu generieren, so der Bürgermeister.
„Der Busreisende gibt 28 Euro aus, der Übernachtungsgast etwa 132“, zitierte Dieter Jost von der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstraße die Zahlen des Deutschen Tourismusverbandes. Man müsse Zielgruppen wie Familien, Wohnmobilreisende oder den Wellnessurlauber ansprechen, dabei Qualität und eine Vielzahl guter Gastronomie vorhalten. Die Stadtführer müssten gut geschult und motiviert werden, die Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen einen aktuellen Standard haben. Zahlen des Hessischen Tourismusverbandes zeigen: 60 Prozent aller Gäste, die in Hessen Urlaub oder Ausflüge machen, kommen aus Hessen. Darunter sind zehn Mal mehr Tages- als Übernachtungsgäste, die gilt es zu locken.
Doch der demografische Wandel ist ein Gegner im Kampf um die Gäste. Viele Fachwerkhäuser, die als schöne Kulisse dienen sollen, stehen leer. Das Kulturgut und damit Deutschlands Markenzeichen, das von Stade an der Nordsee bis Merseburg am Bodensee alljährlich allein auf den sieben Routen der Deutschen Fachwerkstraßen bereist wird, droht zu verblassen. Die Arbeitsgemeinschaft ist seit 22 Jahren aktiv, eine echte Destination, die Deutsche Fachwerkstraße mit ihren markanten Hinweisschildern und Straßenkarten ist längst eine Marke.
Jede einzelne Fachwerkstadt darin weiter zu entwickeln, ist das Ziel der Fachwerk Triennale. Ob mit eigener App fürs iPhone wie in Babenhausen, mit gemeinsamer Werbung der Nachbarkommunen wie es Herborn vor hat, mit interaktiven Rundgängen durch Erlebnisstationen, die Duderstadt jüngst online stellte oder den Kauf eines Schlosses, bleibt dabei jeder Stadt selbst überlassen. Praxisbeispiele, die vor Ort den Triennale-Teilnehmern neue übertragbare Ideen liefern, bietet die Fachwerktriennale und zeigt sie im ganzen Umfang in November auf der Leipziger Denkmalmesse.
„Das Fachwerk bleibt uns allen nur erhalten, wenn die Besitzer investieren können“, sagte Prof. Gerner. Darum haben es letztendlich alle in der Hand, die Fachwerkstädte zu unterstützen, allein durch die Wahl ihres Urlaubsortes.

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