Abgesperrt und abgerissen

Abgesperrt und abgerissen

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10. April 2013_Wanfried-Aue. Der Giebel ist offen. Er lässt einen Blick ins Innere eines imposanten Gebäudes zu. Daneben türmen sich Ziegelsteine, zerborstene Hölzer, Dachziegel und kleinere Sandsteinbrocken. Wo sonst ein Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes an der Hauptstraße in Aue stand, hat man jetzt einen freien Blick auf das Herrenhaus, den Hof und das Betonsilo vergangener Zeiten. Regen und Sturm können ungehindert den offenen Gebäudeteil weiter angreifen.
Was im April 2012 von der Baubehörde durch Sperrung der Straße als Sicherungsmaßnahme begann, nahm ein Jahr später sein jähes und für Fachwerk schlimmstes Ende. „Wir mussten die Straße über ein Jahr sperren, weil eine Wand einsturzgefährdet war“, sagte Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der versucht hatte, mit dem Besitzer eine andere Lösung zu finden. „Die Stadt hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach versucht, Kontakt zum Eigentümer aufzunehmen“, so der Bürgermeister. Auch der Kreis habe mehrere Anläufe unternommen, den Abriss zu vermeiden. Aufforderungen und Fristen die gestellt wurden, habe der Eigentümer jedoch verstreichen lassen, da er offenbar „kein Interesse an Gesprächen mit der Stadt hatte“, so Gebhard.
Die Straße wurde gesperrt, das Bauamt über den Zustand der Scheune informiert, Vor-Ort-Termine mit dem Ortsbeirat wurden wahrgenommen. „Es gab keine Alternative zum Abriss seitens des Ortsbeirates und der Stadtverwaltung“, so der Bürgermeister. Somit klafft jetzt eine große Lücke im Gebäudeensemble des Gutshofes, der 1576 erbaut wurde und durch „die Sachgesamtheit, sowie die das Grundstück umschließenden Wirtschaftsgebäude“ zum Kulturdenkmal wurde. Im Sinne des §2 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes i. d. F. vom 5. September 1986 wurde es als „schützenswerte Bausubstanz“ in der Denkmaltopografie des Werra-Meißner-Kreises eingetragen. Und genau davon wurde jetzt etwas weggerissen. Kosten: mehrere Zehntausend Euro.
Hans-Jürgen Germerodt bedauerte dieses Ergebnis. „Seitens des Bauamtes wurde uns versichert, dass das Dach einsturzgefährdet war“, so Germerodt. Denkmalbehörde und Bauamt sahen somit keine andere Möglichkeit mehr, als den Abriss als Sicherungsmaßnahme in Auftrag zu geben. Was aus dem Bauschutt und dem offenen Gebäudeteil wird, darüber hat Germerodt, Vorsitzender des Heimatvereins, keine Information. Er bedauerte zudem, das der größte Teil historischer Bausubstanz einfach weggeschafft wurde. Ein paar Brettziegeln hätten für die Sanierung der Wasserburg verwendet werden können, sagte er. Die am Abriss beteiligten Arbeiter konnten die Baustoffe aber nicht sichern, schließlich seien sie „Eigentum des Gutsbesitzer“, so ein Zimmermann seinerzeit vor Ort. Ob der Eigentümer mit dem Abtransport der Baustoffe einverstanden war, ist unklar.
Für das Ortsbild von Aue ist nicht nur die große Lücke tragisch, sondern auch die Tatsache, dass aufgrund fehlender First- und Gradziegeln auf einigen anderen Gebäuden diesen wohl bald das gleiche Schicksal droht.

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