HCH – Pollmeier GmbH – Laubholz

HCH – Pollmeier GmbH – Laubholz

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Werkstattgespräch Nr. 6

Pollmeier Massivholz GmbH & Co.KG – BauBuche – eine hochtragende Innovation

Von Diana Wetzestein

20. Juni 2018_Creuzburg. Die leistungsfähigsten Laubholzsägewerke Europas stehen in Creuzburg und Aschaffenburg. Allein in Creuzburg schneidet Pollmeier 325.000 Festmeter Buchenholz jährlich ein. 85 Prozent davon kommen aus der Region, aus den großen Laubholzbeständen im Umkreis von 150 Kilometern. Gleich neben dem Sägewerk in Creuzburg hat Pollmeier ein Furnierschichtholzwerk gebaut und damit im Jahr 2013 weitere 120 Millionen Euro in den Thüringer Standort investiert, an dem heute 450 Mitarbeiter arbeiten. In dem neuen Furnierschichtholzwerk, dem bis heute einzigen laubholzverarbeitenden Furnierschichtholzwerk weltweit, wird der neue konstruktive Holzwerkstoff „BauBuche“ produziert.

Es sind beeindruckende Zahlen, die Marketingleiter Jan Hassan den zwölf Teilnehmern des 6. Werkstattgespräches präsentierte. Beeindruckend war auch die Besichtigung des Werkes, zu der pro holzbau hessen, vertreten durch den 1. Vorsitzenden Prof. Achim Vogelsberg, Geschäftsführer Heinz Moering sowie den stellvertretenden Vorsitzenden Walter Maiß und weitere Mitglieder eingeladen waren. Es ging aus dem Verwaltungsgebäude heraus, über das weitläufige Gelände, vorbei am Sägewerk, vorbei an sich meterhoch türmenden Bergen von Spänen und Hackschnitzeln hin zum neuen Furnierschichtholzwerk.

In zwei Hallen mit 28.000 Quadratmetern Grundfläche sollen unter Vollbetrieb 350.000 Festmeter zu Buchen-Furnierschichtholz verarbeitet werden. Dieses innovative Produkt wird unter dem Markennamen BauBuche verkauft und als Platte, Träger und Paneel angeboten. Die BauBuche soll die Verwendungsmöglichkeiten des Laubholzes im konstruktiven Holzbau revolutionieren. „Unsere Art der Verarbeitung ist weltweit einmalig. Die BauBuche ist über zweimal tragfähiger als Nadelholzwerkstoffe. Als Fachwerkträger eingesetzt, sind damit schon 50 Prozent an Material gegenüber Fichtenbrettschichtholz eingespart worden. Die BauBuche-Träger kosten ab Werk zwischen 600 und 800 Euro pro Kubikmeter, somit haben wir in etwa das gleiche Preisniveau wie beim Nadelholz“, sagte Jan Hassan.

Die BauBuche überzeugt durch ihre technischen Eigenschaften, die herkömmliches Brettschichtholz bei weitem übertreffen. Die Biegefestigkeit der BauBuche GL 70–Träger liegt bei von 70 N/mm² und ist damit 2,5-mal höher als bei Brettschichtholz GL 28h.  Bei Zugfestigkeit und Druckfestigkeit ist das Verhältnis ähnlich. Schubfestigkeit und E-Modul sind immerhin noch um etwa 50 Prozent höher als beim Fichten-Brettschichtholz.  Durch diese hohe Tragfähigkeit lassen sich größere Spannweiten im Holzbau realisieren.

Die Verarbeitung vom Stamm zur Furnierschichtholzplatte beginnt mit dem Kochvorgang, 48 Stunden liegen die Stämme in einem 80 °C heißen Wasserbad, dann ist das Holz weich genug ist für den Schälprozess. Die Mitarbeiter, die den Verarbeitungsprozess an der Schälmaschine lenken, haben das Messer im Blick, das in wenigen Sekunden aus einem zwei Meter langen, zylinderförmigen Stamm einen 3,5 Millimeter dünnen, eckigen Werkstoff rotierend herausschält. Die Buchenfurniere mit einer Holzfeuchte von 80 Prozent, haben nach 15 Minuten im Furniertrockner nur noch vier Prozent Restfeuchte.

Nach der Trocknung werden die Furniere dann „treppenförmig“ zu einem Endlosstrang aneinandergelegt. Der Pressvorgang in der ContiRoll-Presse dauert nur 30 Minuten. Unter hohem Pressdruck und Wärme entstehen auf einer Gesamtlänge von 68 Metern BauBuche-Platten von 20 bis 60 Millimeter Stärke. Das ist das Ausgangsmaterial für alle weiteren BauBuche-Produkte. „Von der zwei Zentimeter dünnen Platte, bis zum Träger zwischen 0,12 und 1,36 Metern Höhe und bis zu 18 Metern Länge ist alles ist möglich“, so Jan Hassan. Die BauBuche kommt als Stützen, Unterzüge, Deckenplatten, Vollwand- und Fachwerkträger sowie als lastabtragende Wandscheibe zum Einsatz. Sie ist aber auch ein idealer Werkstoff für Möbel, Treppen, Fußböden und Innenausbau.

Die geringen Querschnitte, die Materialeinsparung und die Festigkeit, aber auch die Feuchteempfindlichkeit und das Quellen dieser Bauelemente mit einer Holzfeuchte von circa sieben Prozent, wurden nach der Werksbesichtigung diskutiert. Zimmermeister und Planer Hermann-Joseph Reinhardt hat bereits Erfahrungen mit der BauBuche gesammelt. „Bei 60 Zentimeter starken Trägern musste ich ein Quellen des Bauteils von 10 Millimetern berücksichtigen“, sagte er und dass der Baustoff deutlich zu trocken sei. Die geringe Holzfeuchte sei dem Verarbeitungsprozess geschuldet, erklärte Jan Hassan. „Damit sich beim Verkleben der Furniere kein Wasserdampf bildet, muss das Produkt so trocken sein.“ Ein temporärer Feuchteschutz-Anstrich, wie der BauBuche Varnish des Herstellers Koch und Schulte, könne aufgebracht werden, der schütze Bauteile, bis das Gebäude komplett geschlossen sei, so Jan Hassan.

Prof. Achim Vogelsberg ist von diesem Produkt überzeugt. Er hat das erste Bauwerk aus BauBuche geplant, einen Holz-Pavillon, der im Rahmen des Architektursommers 2014 in Darmstadt aufgestellt wurde. Weitere Holzbauprojekte schlossen sich an, in denen die Ästhetik oder die optische Leichtigkeit durch die kleineren Querschnitte der BauBuche zur Geltung kamen. Eine vergleichende Kalkulation bei einem mit BauBuche realisierten dreistöckigen Bürogebäude ergab, dass der Bau mit Nadelholz 986 Euro günstiger gewesen wäre – bei einem Gesamtprojektvolumen von 3,6 Millionen Euro. „Das zeigt, dass Bauwerke aus dem neue Laubholzwerkstoff auf dem gleichen Preisniveau liegen,“ berichtete Jan Hassan. Die Technische Universität München hat eine Studie für ein Parkhaus aus BauBuche erstellt, hier werde noch nach einem Bauherrn für die Umsetzung gesucht. Weiterhin berichtete Hassan von einem internationalen Holzbau-Wettbewerb der University of Cambridge, bei dem ein 80-geschossiges Gebäude mit tragender Holzstruktur geplant werden sollte. „Drei der vier Teams haben mit der BauBuche geplant, weil nur Baustoffe verwendet werden durften, die zugelassen und auf dem Markt erhältlich sind. Das zeigt uns, dass die BauBuche als Hochleistungswerkstoff am Markt angekommen ist“, so der Marketingleiter.

„Die Markteinführung für neue innovative Produkte ist dennoch langwierig, das wurde heute sehr deutlich. Ich denke, dass die BauBuche, an der richtigen Stelle eingesetzt, ein sehr gutes Produkt ist“, so Prof. Vogelsberg am Schluss der Veranstaltung. Nicht nur die Technische Hochschule Mittelhessen, sondern auch weitere namhafte wissenschaftlichen Bauinstitute werden die Einsatzmöglichkeit des Produktes im Blick behalten. Es ist ein ästhetisches Produkt, das dem nachwachsenden Rohstoff Laubholz in Deutschland neue Absatzmöglichkeiten eröffnet.

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