9. Oktober 2012_Eschwege. Spannende Vorträge versprach Bürgermeister Alexander Heppe zu Beginn der Fachwerktriennale 12 im Rathaussaal. Das Thema am vergangenen Freitag waren Dialog und Bürgerbeteiligung, beides wichtige Instrumente für eine gute Stadtplanung. Beim Brühl 6 und dem Marktplatz sei der Dialog mit den Bürgern bereits gelungen. Im zweiten Anlauf zwar, nachdem eine vorherige Planung des Marktplatzkarrees leider gescheitert war. Eschwege geht dennoch seinen Weg, nach dem Erfolg Schlossgalerie sollen Werra und Landgrafenschloss an die Innenstadt angeschlossen, ein neues Aufwind-Projekt in der Neustadt umgesetzt werden.
Engelbert Thielemann, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, mahnte aufgrund der Leerstandsproblematik, die einen Überschuss von 2000 Wohnungen für das Jahr 2020 prophezeit, gerade die 1000 Fachwerkhäuser auf einen modernen Wohnstandard zu bringen, damit Menschen dort gern leben möchten. Fachwerk als reine Fassadenattraktion sei nicht finanzierbar. Verfügungsfonds wurden darum als Instrument der Quartiersentwicklung genannt, Bernhard Faller vom Büro Quaestio, stellte sie vor. „Der Bürger wird hier finanziell unterstützt“, so Faller. Dabei handle es sich um kleinteilige Förderung, die vom Vergabegremium, aus Gewerbe, Eigentümern, lokalen Initiativen und Institutionen bestehe, erteilt werde. Er forderte,  aktiv für derlei Fonds zu werben.
Prof. Manfred Gerner, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. und Veranstalter der Fachwerktriennale 12, stimmte dem zu. „Eschwege hat herausragende Ressourcen“, sagte er und bezog sich auf die Nähe zum See, Fluss und den Spuren des Mittelalters. „Hier sollte man die Zusammenarbeit der gesamten Region noch mehr ausbauen“, so Prof. Gerner.
Planungsbüros sind mit der Aufgabe betreut, Ideen in greifbare Projektplanungen zu übersetzten. Prof. Philipp Krebs vom Büro foundation 5+ aus Kassel und Planer des Brühl-Projekts, arbeitet bereits am nächsten Aufwind-Gebäude, das Klages-Areal in der Neustadt soll zu neuem Leben erweckt werden. Den Anwohnern standen die Planer und die Investoren bereits Rede und Antwort.
Michael Triebswetter, Landschaftsplanungsbüro GTL aus Kassel, lobte den Dialog mit den Eschweger Bürgern. „Viele Ideen der Stadtverwaltung und Planer wurden fallen gelassen, weil der Bürger sie nicht wollte“, sagte er.
Stadtverordnetenvorsteher Karl Montag vertrat die Seite der Bürgerschaft und zeigte sich enttäuscht von der Vorgehensweise in Sachen Bürgerbeteiligung und Information beim Bau des Marktsplatzes. Seiner Meinung nach wurden die Bürger und die Geschäftsleute zwar während der Planungsphase gut informiert, während der Bauphasen sei das nicht mehr ausreichend geschehen. „Bürger müssen sich auch beteiligt fühlen“, so sein Resümee.
„Ein Leben in und durch Fachwerk muss das gemeinsame Ziel sein“, sagte Bürgermeister Heppe. Der Dialog zwischen Experten und Bürgern mit Lebenserfahrung und Liebe zu ihrer Stadt sei machbar und unverzichtbar. Dennoch müsse der Bürger auch realisieren, dass er in Zukunft aktiver werden müsse. Das dies möglich ist, zeige das Modell Heuberg, wo auch die Verfügungsfonds erstmals erfolgreich eingesetzt wurden. Es entstanden viele Einzelinitiativen, die Bewohner des Viertels gestalten gemeinsam ihre Umgebung, in der sie leben. Der Heuberg als gutes Beispiel gelungener Kooperation zwischen Stadt, Planern, Fördermittelvergabe und dem Bürger und die Einbindung der Werra, mit der Eschwege das Potential hat, sich als „Fachwerkstadt am Wasser“ zu etablieren, könnte der Kreisstadt in Zukunft einen guten Rahmen für weitere Stadtentwicklung geben.