18. September 2012_Homberg/Ohm. Der Tourismus ist eine echte Herausforderung. Er läuft nicht von allein, braucht immer wieder Impulse, damit die Gäste nicht ausbleiben. Das hat auch Homberg/Ohm erfahren müssen. In den 1970er und 80er Jahren wurde der idyllische Ort zwischen Fluss und Schloss von Bustouristen angefahren. Ganz nebenbei verlieh dieser dem Städtchen gute Nebeneinkünfte. Jetzt sucht Bürgermeister Béla Dören nach neuen Attraktionen und hat mit dem Kauf des Schlosses Homberg bereits eine platzieren können. Während der Fachwerktriennale wurde der Dialog mit anderen Städten gesucht und viele verschiedene Wege aufgezeigt.
Auch die Stadt Herborn im Ländereck Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat sich auf den Weg gemacht, neue Ziele festzuschreiben und nach Partnern in der Vermarktung der gesamten Region zu suchen. Bürgermeister Hans Benner und Bernd Rademacher erläuterten neue Konzepte und die angestrebte Destination mit den Nachbargemeinden Haiger, Dillenburg, Breitscheid, Driedorf und Greifenstein. „Wir müssen die Finger überall drin haben“, sagte Bürgermeister Benner, er strebt gemeinsame Werbung und Ausarbeitung von Konzepten an. Angebote wie Fachwerkführungen und Ferien im Fachwerk sollen ausgeweitet, außerdem die E-Bike Ladestationen und Bed and Bike, Herborn setzt auf eine starke Region und aktive Touristen, dafür müssen verstärkt EU-Fördertöpfe in Anspruch genommen werden.
Duderstadt hat einige Baudenkmale zu Erlebnisstationen gemacht, die eine große Signalwirkung besitzen. Das Rathaus, wahrscheinlich das älteste in Deutschland, ist zu einer Marke geworden, das Innere nach mehreren Sanierungen ein Musterbeispiel an Bürgerzentrum, offen, mit allen Sinnen erlebbar und mit einer Fledermauskolonie unter dem Dachfirst auch noch geschütztes FFH-Gebiet. „Unser Rathaus ist wieder zum echten Zentrum des Stadt geworden“, sagte Christian Zöpfgen, der eine interaktive Führung durch das historische Gebäude vorführen konnte. Und auch am Beispiel des Westerturmensembles, das vor dem Verfall gerettet und zu einer gelungenen modernen Kulturstätte wurde, ist interaktiv zu sehen. Beide Beispiele zeigen neue Nutzungen und Leuchtturmprojekte einer Stadt auf, die das Zeug zum „Global Player“ hat und Menschen aller Länder nach Duderstadt zieht. Gelungen sei hier die perfekte Präsentation und Dokumentation von Geschichte in historischen Gebäuden, stellten die Diskussionsteilnehmer fest.
Wer Nörten-Hardenberg hört, denkt an den Doppelkorn mit den Keilerkopf, an gehobenen Pferdesport, Schlosspark, Eisbahn und die Hardenberg. Neben der Markte Hardenberg scheint der Flecken Nörten-Hardenberg mit seinen 8.250 Einwohnern eher unbedeutend zu sein. Dagegen will Bürgermeisterin Astrid Klinkert-Kittel nun angehen. „Nörten war um das Jahr 1.000 schon ein bedeutender Marktflecken“, erklärte die Bürgermeisterin, und dass es seit 7.500 Jahren Fachwerk in Nörten gebe. Damit geht der Flecken nun in die Offensive, tritt mit dem Hardenberg an, die Gäste zu begeistern. Es gibt einen Fachwerklehrpfad, das Projekt Fachwerk macht Schule wurde in Nörten begeistert aufgenommen. Im Heimathaus wird alles über Fachwerk gesammelt und dem Besucher näher gebracht, was Nörten und die Hardenberg zu bieten haben. So hoffe man, die Besucherströme in Zukunft auch nach Nörten leiten und vom Synergieeffekt profitieren zu können.
Damit der Gast weiß, wie er eine auserwählte Stelle findet, setzt Babenhausen auf die neueste Technik für iPhones und ließ sich eine App entwerfen. „Die Nutzung der neuen Medien, sprich die Nutzer von Smart- und iPhone, sind die Touristen von heute und ganz bestimmt von morgen“, sagte Silvia Klötzel, die gemeinsam mit Bürgermeisterin Gabi Coutandin die Stadt Babenhausen vertrat. „Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland besitzen ein Smartphone, allein fürs neue iPhone 5 gab es zwei Millionen Vorbestellungen“, sagte der Diplom-Informatiker Thomas Kiesl, der mit den Produkten seiner Firma „App-Schmiede“ den modernen Gast durch Städte und die ganze Welt führen kann. Auf Babenhauses App sind Unterkünfte, besondere Punkte, Kurzinformationen zur Geschichte für den Besucher gespeichert. „Er kann beim Blick durch seine Smartphone Kamera herausfinden wo er gerade ist“, so Kiesl.
Damit Fachwerkstädte attraktiv bleiben oder es wieder werden, sind Investitionen nötig. „Nur derjenige, der investiert, kann Geld verdienen“, sagte Bürgermeister Dören am Schluss der Veranstaltung. EU-Fördermittel würden nach seinen Informationen zu wenig abgerufen, ob das an der Schwierigkeit der Co-Finanzierung durch die kommunalen Haushalte liege oder schlichtweg an der Arbeitsüberlastung kleiner Kommunen, spiele keine Rolle. Der Tourismus sei eben nicht nur eine Herausforderung, sondern vielmehr eine ganz große Chance.