13. und 14. Februar 2013_Fulda. Noch heute schmücken die Handschriften der Zimmerer das Fachwerk historischer Häuser. Damit diese nicht nur schöne Fassaden bleiben, reisen jährlich über 100 Gästeführer zur Propstei Johannesberg nach Fulda, um bei der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. die Bedeutung von Figuren, Lebensbäumen, Buchstaben, Zahlen und allerhand religiöser Botschaften zu verstehen.
Mitte Februar begrüßte Prof. Manfred Gerner 40 Seminarteilnehmer aus Mitgliederstädten der Deutschen Fachwerkstraße zu den Themen Holz und Verzimmerung sowie Fachwerk, Schmuck und Symbolik. Dies sind zwei von sechs Teilen, die ein Fachwerkgästeführer in Fulda bis zum Erreichen des Diploms braucht.
Alle Teile absolviert hat der Stadtführer Prof. Dr. Karl-August Helfenbein. Der 83-jährige Erziehungswissenschaftler führt seit 25 Jahren als Stadtführer Gäste durch seine Stadt Lauterbach und ist Leiter des Stadtarchivs. „Diese Seminare sind hervorragend aufgebaut und transportieren viel Wissen“, lobte er seinen Kollegen Gerner, der für dieses Qualitätsmerkmal steht.
Mit dem Denkmalpfleger Bernd Liebmann war „eine Vorhut“ aus Sindelfingen in Fulda. „Ich möchte eine Strategie zur Vermarktung und Erhaltung des Fachwerks in unserer Stadt entwickeln, darum bin ich hier“, sagte Liebmann. Sindelfingen steht zudem kurz vor dem Eintritt in die Arbeitsgemeinschaft, Liebmann wollte schon mal erkunden, was die Arbeitsgemeinschaft bietet. Er bekam viel zu hören und zu sehen, denn neben der Theorie über Zapfen, Blatt, Kreuzverbindungen, Holzfeuchten oder Schädlinge gab es auch eine Exkursion zur Johannesberger Handwerkssammlung im ehemaligen Schafstall der Propstei. Auf 330 Quadratmetern Grundfläche sahen sich die Gästeführer Werkzeuge, Zunftgegenstände und Handwerkskunst verschiedener Epochen an. Die Ausstellung über die fantastischen Fachwerkmodelle von Dieter Ehret, die in dem mannshohen Modell der Schweidnitzer Friedenskirche sicherlich ihren Höhepunkt findet, gaben einen einzigartigen Blick auf die innere Konstruktion der Fachwerkhäuser. Und die komplette Werkstatt des berühmten Intarsienschneiders Heinz Huppke ist ebenfalls ein Highlight der Sammlung. „Hier sehen Sie originale Intarsien von der Gründerzeit bis weit ins 20. Jahrhundert hinein“, erklärte Prof. Gerner. Werkzeuge, Geräte und einen großen Bestand an Werkzeichnungen und Skizzen sind dort ausgestellt, die Gästeführer zeigten sich begeistert.
Die nächsten Seminare werden voraussichtlich im Juni stattfinden, die Diplome für etwa 29 Fachwerkgästeführer sollen am 21. März in Limburg feierlich verliehen werden.