Wert und Wertigkeit – Fachwerk5ck

Wert und Wertigkeit – Fachwerk5ck

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Der 6. Südniedersächsische Fachwerktag
Von Diana Wetzestein

Joseph, der Zimmermann, mit seinem Lehrling Jesus

15. Dezember 2017_Northeim. „Vor sieben Jahren hat sich die Region Südniedersachsen in Nörten-Hardenberg beim 1. Fachwerktag auf eine Reise gemacht. Fachleute sprachen über das Fachwerk in der Region, die Zweidrittel des denkmalgeschützten Fachwerkbestandes ganz Niedersachsens beherbergt. Die Fachwerk-Reise ging dann erfolgreich weiter und machte im Jahr 2011 in Osterode am Harz, 2012 in Einbeck, 2013 in Hann. Münden, 2016 in Duderstadt und schließlich im Dezember 2017 in Northeim Station. Dort endet sie erst einmal mit dem 6. Südniedersächsischen Fachwerktag.
Sie endet und beginnt gleichzeitig wieder, mit einer Einladung an ganz Südniedersachsen, von den Konzepten, den Netzwerken und den Angeboten aus dem Fachwerk5Eck zu profitieren und neu einzusteigen. Uslar und Bad Gandersheim haben diese Einladung erst und wahr genommen und Referenten zu Fachwerkstadthemen zur Fachtagung geschickt.
Ich selbst habe fünf von sechs Veranstaltungen miterlebt und bin beeindruckt, wie sich das Projekt in sieben Jahren entwickelt hat. Sich zusammenzuschließen hört sich ja erst mal einfach an, fünf Städte dann an einen Tisch zu bringen, ist schwierig. Das gelang nur mit dem persönlichen Engagement der Mitarbeiter und Bürgermeister der Städte, mit einem erheblichen Maß an Mehrarbeit und Vertrauen zu den Kollegen der Partnerstädte. Der gemeinsame Förderantrag zum Fachwerkfünfeck und die Einrichtung des Projektbüros in Northeim waren kluge Schritte.
Aber was hat der Bürger davon? Einige haben gar nichts davon, weil Sie die Fachwerkstadt nicht als das wahrnehmen, was sie ist, ihnen nicht den Wert zuschreiben, der ihr gebührt. Diese Bürger kennen auch das Logo des Fachwerk5Ecks nicht. Aber die allermeisten Bürger haben es aber wahrgenommen, kennen die Plakate, Veranstaltungen, die Zeitschrift Fünfeckspüren, die Internetseite, die Broschüren und wissen, da passiert etwas.
Es hat sich hier und da eine Eigendynamik entwickelt, kleine aber feine Projekte wurden begonnen, mit denen man nicht gerechnet hatte und die auch nicht auf dem Managementplan von Juliane Hofmann stehen.
Wir erleben hier, dass sich die Menschen in ihrer Fachwerkstadt wohl fühlen. Und das kommt nicht von ungefähr, es passiert nicht einfach so. Die langsam gewachsene Struktur einer Fachwerkstadt wirkt sich positiv auf den Organismus aus. Fragen Sie Ihren Historiker oder Zimmermann. Keine dieser Städte wurde einfach so hingestellt. Dem Zimmermeister, der auch Stadtplaner seiner Zeit war, ging es um Sicherheit und ein besseres Leben für die Menschen. Natürlich war das eine ganz andere Zeit. Aber das Haus, das Dach über dem Kopf, ist und bleibt für uns alle überlebenswichtig.
Der historische Holzbau ist zudem die Grundlage für den modernen Holzbau. In Deutschland müssten jedes Jahr 400.000 bis 500.000 neue Wohnungen gebaut werden. In den Ballungszentren gibt es keine Grundstücke mehr. Der Holzbau ist bestens geeignet, die Bestandsgebäude aufzustocken. Es wurden und werden weiterhin Konstruktionen und Verbundwerkstoffe aus Holz entwickelt, die funktionieren. Aber viele Landesbauverordnungen scheinen immer noch in Beton gegossen zu sein, das Potential des Holzbaus wird immer noch nicht ausgeschöpft, obwohl es höchste Zeit ist. Mit ihm kann nachhaltig gebaut werden. Mit einer jahrtausendealten Langzeitstudie.
Die historischen Häuser, teilweise 800 Jahre alt, haben nicht nur Tonnenweise CO2 eingelagert, sie sind auch deshalb wertvoll, weil dort die Energie und die Bau-Kunst aus der Hand des Zimmer-Meisters drinstecken. Bei jedem Haus, das zusammenbricht oder abgerissen werden muss, denken Sie daran, ob sie dieses Bild von Leonardo da Vinci, das vor Kurzem für 400 Mio. Dollar versteigert wurde, auch einfach von der Wand reißen würden.

Savator Mundi, Gemälde von Leonardo da Vinci

Salvator Mundi, Heiland der Welt, die männliche Mona Lisa… Kunstexperten sagen: „Die Anziehungskraft des Bildes geht von der unbeschreiblichen Verbindung des Werkes zu Geschichte und Nachwelt aus.“ „Die Verbindung des Werkes, des Fachwerkes zu Geschichte und Nachwelt… Den Satz kann ich mit gutem Gewissen auf historische Häuser anwenden.
Leonardo da Vinci, der Konstrukteur, der Wissenschaftler, der Künstler, der Erfinder einer Brücke aus Holz, hat in einem seiner 20 Gemälde ausgerechnet einen Zimmermann verewigt. Für mich ist das ein Zeichen! Jesus von Nazareth hat seinem Berufsstand alle Ehre gemacht. Heute würde man ihn einen Quereinsteiger nennen. Schon im 8. Jahrhundert hat Hrabanus Maurus, ein Mönch im Kloster Fulda, die Zimmerer den Christen gleichgestellt.
Weil sie Häuser bauen, die Stadt planen und Wege und Straßen anlegen konnten. Das haben die Zimmerer gelernt, das haben sie gemacht und geben ihr Wissen heute noch weiter. Damit sie das tun können, brauchen sie die historischen Fachwerkhäuser. Wenn diese verschwinden, verlieren wir viele alte Meister.
Ich verstehe nicht, das ein Gemälde, das einen Zimmermann zeigt, viel mehr Wert sein soll, als ein Haus, das ein Zimmermann gebaut hat. Die Wertigkeit, die Sicht auf unsere Fachwerkhäuser, die muss sich ändern.
400 Millionen Dollar. Was für ein Haufen Geld. Eigentlich müsste es kein Problem sein, unsere Kulturgüter zu erhalten, aber je mehr Geld im Spiel ist, desto schlechter scheint es für die Historischen Gebäude auszugehen. Denken sie an die Sanierungswelle der 1970er Jahre, als die Stadtkassen gut gefüllt waren, das hat die Stadtplaner zu den Architektonischen Fehlgriffen getrieben, die wir in fast jeder historischen Altstadt finden. Und kommt heute ein Investor ums Eck und winkt mit Millionen, dann wird zuerst die Gestaltungssatzung und dann auch ein Stück vom Denkmalschutz über Bord geworfen.
Um Weihnachten herum feiern viele Menschen den Geburtstag des Zimmermanns und dürfen sich etwas wünschen. Ich wünschte mir, es würde wieder mehr in Zeit und ausreichend Personal investiert werden, in Menschen, die sich darum kümmern können, dass Südniedersachsen eine der vielfältigsten Fachwerklandschaften Europas bleibt. Investieren Sie sinnvoll!
Die ältesten gut erhaltenen Fachwerkhäuser stammen aus der Zeit um 1400. Ein großes kulturelles Erbe steht in Südniedersachsen, aber auch ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Fachwerkregionen.
Die Gründung des Fachwerk5Ecks war ein kluger Schritt in die Zukunft. Das erste Ziel ist erreicht. Es gibt Akteure und Referenten, die Situationen und gelungene Beispiele aufzeigen, Impulse geben und Netzwerke geschaffen haben. Es ist also alles da, damit es weitergehen kann. Mein Interesse am Fachwerk und den Menschen in Südniedersachsen haben sie alle für immer geweckt. Mein Fachwerkherz schlägt höher, wenn ich an ihre Städte denke. Und das werde ich mitnehmen aus diesem Projekt und werde es weitersagen.“

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