HCH – Werra-Meißner-Kreis dabei?

HCH – Werra-Meißner-Kreis dabei?

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14. Februar 2017_Eschwege. Das Landgrafenschloss in Eschwege hat eine Jahrhunderte lange, wechselhafte Geschichte. In den Renaissancebau der Landgrafen von Hessen zog bereits 1821 die Kreisverwaltung ein. Im Nordflügel hat heute Stefan Reuß, Landrat des Werra-Meißner-Kreises, sein Büro. Von dort aus führt er acht Städte, acht Gemeinden und über 101.000 Einwohner seit elf Jahren durch nicht ganz leichte Zeiten. Die Aussichten für 2017 sind aber gut.

Stefan Reuß und Heinz Moering sprachen über Holz und Wertschöpfung. Die Aussichten sind gut.

„Die wirtschaftliche Situation hat sich sehr gut entwickelt, die Auftragsbücher in Handwerk und Industrie sind voll, die Konjunktur läuft, der Arbeitsmarkt ist robust, die Arbeitslosenquote mit 5,5 Prozent so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, sagte der Landrat in seiner Neujahrsansprache. In einem Gespräch mit Heinz Moering, Geschäftsführer des Holzbau Cluster Hessen (HCH), informierte er sich jetzt über ein Netzwerk, das den Holzbau in Hessen vorantreiben will und auch dem Kreis zugutekommen könnte.

Der Werra-Meißner-Kreis wäre der achte hessische Landkreis im Cluster und mit 44 Prozent Bewaldungsfläche überdurchschnittlich ausgestattet. Im Vergleich: in der Bundesrepublik sind 32 Prozent der Fläche bewaldet. „Die Holzbauquote in ihrem Kreis liegt nach einer Studie der Universität Hamburg bei Gewerbe- und Industriebauten bei 27,6, im Wohnungsbau bei nur 12,6 Prozent. Hier könnte der Kreis noch besser werden“, sagte Moering. Holz spielt bereits eine wichtige Rolle im Forst, der Industrie und dem Handwerk. Das Holz vor Ort einzukaufen und zu verarbeiten wäre das Optimum, wenn dann die vorhandene Wertschöpfungskette davon profitieren könnte, hätte sich die Arbeit des HCH gelohnt. „Am Ende entscheidet aber der Markt, ob die Waldbesitzer das Holz zu einem guten Preis vor Ort verkaufen können“, gab Reuß zu bedenken.

Die nachhaltige Forstwirtschaft in Hessen gewährleiste, dass nicht mehr Holz geschlagen werde, als nachwachsen könne, sagte Moering, dennoch werde noch zu viel exportiert. Von den zwei Millionen Festmetern Holz aus dem hessischen Staatswald werden 50 Prozent in andere Länder verkauft. „Wenn wir über regionale Wertschöpfung nachdenken, müssen wir daran denken, dass mit dem Export von Holz auch die Arbeitsplätze ausgelagert werden“, sagte er. „Holz von Hier“, die gemeinnützige Initiative und Mitglied des Clusters will dem Umweltministerium einen Plan vorstellen, wie bei ausreichenden Kapazitäten der Export und der Import von Holz verringert werden kann. „Nur im Ministerium können die richtigen und finanziellen Weichen für die Zukunft gestellt werden“, so Moering, der in diesem Zusammenhang auch Michael Gerst, Leiter von Hessenforst, mit dem Satz zitierte: „Wenn es gelingt, in Hessen mehr Holz zu verbauen, müssen wir nicht so viel exportieren.“

Der Landkreis könnte tatsächlich über die Bauämter das eine oder andere „Holzrad“ drehen und mehr Holz an und in die Gebäude bringen. Landrat Reuß verwies in diesem Zusammenhang auf die Zuständigkeit des Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Reiner Wallmann in seiner Funktion als Baudezernent. Der Kreis habe vor allem mit Sanierungsmaßnahmen und hier leider auch Asbest- und PCB-Sanierungen im Baubestand zu tun. Dennoch habe man gute Erfahrungen im Holzbau gesammelt. An die Planung und den Bau des zweigeschossigen Seniorenpflegeheims in Holzständerbauweise in Hessisch Lichtenau kann sich Reuß gut erinnern. „Der Brandschutz hatte viele Diskussionen und Abstimmungen zur Folge. Für das Bauamt war es am Anfang nicht leicht, aber jetzt haben sie sich das nötige Know-how angeeignet“, so Reuß, der hier einen entscheidenden Pluspunkt für das HCH sieht, das als Beratungs- und Informationsplattform über Holz die wichtigen Informationen auf einfachem Weg geben könnte. Mit der „Fachberatung Holz“, die im Cluster entstehen soll, könnten von Expertenkreisen zu bestimmten Themen ausgearbeitete Argumente pro Holz griffbereit vorliegen, sagte Moering dazu.

„Wenn wir ausschreiben müssen, kommt es darauf an, deutlich zu machen, wo nach den Vergabebestimmungen die Vorteile für den Holzbau liegen. Das Cluster müsste die notwendigen Informationen auch an die zentralen Vergabestellen geben“, so Reuß. Der Kreis müsse bei Auftragsvergaben auf den Preis achten und habe in den vergangenen Jahren dennoch 90 Prozent aller Aufträge innerhalb des Kreises vergeben können. Die Holzwirtschaft wieder mehr ins Gespräch zu bringen, hält er für sinnvoll. Vor allem der Klimaschutzfaktor bei diesem Bioprodukt sei ein wichtiger Pluspunkt. Das spiele auch bei der Energetischen Quartierssanierung und der Dorferneuerung eine Rolle. „Die Richtlinien in diesen Programmen haben schon viel dazu beigetragen, dass auf Holzbau großen Wert gelegt wird“, so Reuß.

„Wir haben das Thema Holz im Werra-Meißner-Kreis schon über mehrere Jahre in den Mittelpunkt gestellt“, sagte der Landrat. Gemeinsam mit dem Landkreis Kassel war „BioRegioHolz Meißner-Kaufunger Wald“ ein Projekt zum Thema Mobilisierung, Aufbereitung und Verwertung holziger Biomassen im ländlichen Raum. Unterstützt vom Hessischen Umweltministerium, wurden ungenutzte Holzquellen erschlossen. Die Mitarbeit im Cluster hätte somit bereits ein gutes Fundament und interessante Daten und Fakten für alle Clustermitglieder. Und auch mit dem Universitätsstandort der ökologischen Agrarwissenschaften in Witzenhausen könnte der Kreis einen wichtigen Teil abdecken. „Hier könnten wir versuchen die Themen Landbau und Holzbau zu vereinen. Ein Lehrstuhl für Holzbau und Holzwirtschaft in Witzenhausen wäre vielleicht möglich“, so Reuß.

Zudem könnte die Deula Witzenhausen GmbH für das HCH ein wichtiger aktiver Partner werden. Die „Lehranstalt für angewandte Technik“ versteht sich als Aus- und Weiterbildungsinstitution, die eine Lehrwerkstatt für Gartenbau, Landschaftsbau und landwirtschaftliche Berufe betreibt. Der Landrat hat nichts gegen eine sinnvolle Vernetzung der Institutionen im HCH. Und mit HessenRohstoffe (HeRo) hat das HCH bereits vor einem möglichen Kreisbeitritt einen wichtigen Partner in Sachen Jugendbildung im Team.

Das Thema Holz als ökologischen und ökonomischen Bildungsaspekt noch stärker in den Schulen einzubringen, sei sinnvoll. Im Holzcamp am Jugendwaldheim Meißner pflanzte der Landrat Reuß schon gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Bäume. „Wenn diese Kinder nach 20 Jahren sehen, was aus den kleinen Setzlingen geworden ist, wird ihnen klar, was Nachhaltigkeit ist“, so Reuß.

Traditionellen Holzhandwerk, moderne Betriebe und auch ein kleines Sägewerk gibt es im Werra-Meißner-Kreis noch. Der Ausbau der regionalen Versorgung mit Holz vor Ort und die Unterstützung kleiner Betriebe könnte mehr Wertschöpfung in die Region bringen, so Moering. Die angestrebte Holzbauquote von 35 Prozent kann erreicht werden, für das Cluster wäre der Werra-Meißner-Kreis ein wichtiger Partner, um notwendigen Prozesse zu optimieren und mitzugestalten. Landrat Reuß hat Interesse signalisiert.

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