HCH – Landkreis Kassel kann profitieren

HCH – Landkreis Kassel kann profitieren

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Heinz Moering und Helmhard Neuenhagen im Gespräch mit Susanne Selbert, Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Kassel.
Von Diana Wetzestein

17. März 2017_Kassel. Der Landkreis Kassel steht unter dem Rettungsschirm. Damit ist der kommunale Schutzschirm des Landes gemeint, der den in der Vergangenheit verschuldeten und unter der hohen Zinslast leidenden Kommunen den Weg zur Entschuldung bereiten soll. Wer sich dafür entscheiden hat, muss sich im Gegenzug zum Ausgleich der Ergebnishaushalte verpflichten und darf keine neuen Schulden machen. Schlechte Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft im Holzbau Cluster Hessen (HCH), sollte man meinen. Im Gespräch mit Heinz Moering, Geschäftsführer HCH und Helmhard Neuenhagen, Projektleiter HCH, fand man dennoch gute Wege, die dem Holzbau innerhalb einer Zusammenarbeit mit dem Landkreis geebnet werden können, denn die Arbeit des Clusters ist auf Langfristigkeit ausgerichtet.

„Uns sind derzeit tatsächlich die Hände gebunden. Das Regierungspräsidium hat uns die Vorgabe erteilt, dass wir keine neuen beitragsgebundenen Mitgliedschaften eingehen dürfen“, sagte Susanne Selbert. „Vielleicht können wir auf andere Art und Weise mitwirken und eine assoziierte Mitgliedschaft eingehen“, schlug sie vor. Einen Anknüpfungspunkt sah sie in der Sanierung von Sporthallen, den direkten Draht hat das HCH zum Landessportbund bereits geknüpft und kann dort sehr hilfreich sein. Vor dem Hintergrund eines erheblichen Mangels an Wohnungen in und im ersten Ring um Kassel herum, bestehe dringender Handlungsbedarf. „In Baunatal und Vellmar haben wir keine Möglichkeiten mehr, Menschen unterzubringen“, sagte Susanne Selbert. darum gehe man das Thema jetzt konkret an. Dem Kreistag liege ein entsprechender Antrag vor. Es gehe darum zu prüfen, ob der Landkreis eine Wohnungsbaugesellschaft (WBG) implementieren könne, die dafür Sorge trage, dass mehr Wohnraum entstehe. „Da gibt es große Potentiale, was den Holzbau angeht“, so Susanne Selbert.

„Die direkte Zusammenarbeit zwischen HCH und WBG halte ich an dieser Stelle für eine sehr gute Idee“, so die Erste Kreisbeigeordnete, die sich als Vermittlerin anbot. Innerhalb des Immobilienmanagements, das eine WBG im Benehmen vieler Partner entwickeln und schauen soll, wer die richtigen Partner dafür sind, könne sie sich das HCH als kompetenten Partner durchaus vorstellen. Zudem könnte das Cluster den Holzbau während einer Informationsveranstaltung über zu erschließende Neubaugebiete vorstellen, zudem bot Neuenhagen Ausstellungen und Exkursionen zu Referenzobjekten an. Denn Ziel sei es, sich breit aufzustellen und die Menschen im Landkreis mit wichtigen Informationen pro Holzbau zu beliefern. Für die Schaffung von Wohnraum im Kernbereich hält Neuenhagen den Holzbau in Kassel, aufgrund einer Dachlandschaft mit vielen Flachdächern, für gut geeignet. „Wir bieten ihnen an, eng mit der WBG zusammenzuarbeiten, weil der Holzbau für Aufstockung und Nachverdichtung am besten geeignet ist“, so Neuenhagen.

Durch das Netzwerk und die darin kommunizierten Informationen, wird die Holzwirtschaft gestärkt. Die Holzbauquote von derzeit 20 auf über 30 Prozent zu steigern, ist kein utopisches Ziel, sondern zeitnah zu erreichen. Das Holz sollte bestenfalls vor Ort geerntet, weiterverarbeitet und verbaut werden. Damit auch die ortsnahen Betriebe weiter existieren oder sich weitere gründen können und die Wege kürzer werden. „Diese direkte Wirtschaftsförderung im Landkreis könnte in Abstimmung mit der geplanten Wohnungsbaugesellschaft erfolgen, weil diese dann die Ausschreibung macht“, so Moering. Die Erfahrung habe gezeigt, dass viele Bauten bereits falsch projektiert oder ausgeschrieben würden, dabei hätten die regionalen Betriebe oftmals keine Chance mehr, an den Ausschreibungen teilzunehmen und Aufträge zu bekommen. „Wir haben die Experten für den Holzbau, die sie ansprechen können und die über das weitere Vorgehen informieren. In einem guten Netzwerk bekommen sie schnell Antworten und Lösungen, das Netzwerk spart ihnen Zeit und Geld“, sagte Moering. Kleinere Betrieb könnten sich zusammentun und größere Projekte gemeinsam bearbeiten. Kassel sollte Leuchtturmprojekte im Holzbau mitten in der Stadt installieren, um zu zeigen, welche Vorteile das Netzwerk aus Potentialen vorhandener Infrastrukturen, Experten im Cluster und Akteuren der Region bringt.

„Wir müssen dringend Hürden abbauen, denn derzeit gibt es noch so viele Vorurteile zum Thema Holzbau“, so Moering weiter, der als Beispiel die Debatte über den günstigen Preis von Kunststoff- oder Alufenstern gegenüber Holzfenstern anführte. „Es ist ein Vorurteil, dass Holzfenster teurer sind. Oftmals werden gar keine Angebote eingeholt, sondern Kunststofffenster eingebaut. Beim Alufenster ist der Energieaufwand 800 Mal höher als beim Holzfenster“, so Moering. Damit das Thema nicht nur regional betrachtet wird, werden auch Gespräche im Hessischen Umweltministerium geführt. Den Plan, dort ein Ressort für Nachhaltigkeit und Ressourcen einzurichten, unterstütze auch das HCH, den der Holzbau gehöre unbedingt dort mit hinein.

Die Mitgliedschaft zahlt sich aus, wenn der Landkreis das Seminar „Holz vor Ort“ veranstalten würde. Die Experten, die als Referenten aus dem Cluster kommen, würden dem Landkreis kostenlos zur Verfügung gestellt. Geschult und informiert wurden in Wetzlar bereits Mitarbeiter der Baubehörden, Architekten und Planer. Antworten auf konkrete Fragestellungen wurden gegeben, vor allem im Bereich des Schulbaus und anderer öffentlicher Gebäude war nach viel Aufklärungsbedarf. Was den Schulbau im Landkreis Kassel angehe, sei der in den letzten 15 Jahren schon weitestgehend abgeschlossen, so Susanne Selbert. Sie könne dem Cluster als Ratgeberin in Fragen zur Pelletheizung in Schulgebäuden zur Seite stehen. „Wir haben in den letzten 20 Jahren 50 von 75 Schulen mit Holzhackschnitzel-Feuerungsanlagen und Pelletheizungen ausgestattet und dabei anfangs viel Lehrgeld zahlen müssen. Jetzt wissen wir, wie es geht“, so die Erste Kreisbeigeordnete. Zudem habe man neben dem Wohnraummangel auch Leerstand in den Ländlichen Regionen. Mit einer Fachwerkbörse und einer kostenfreien Erstberatung habe man dort bereits gute Erfolge erzielt, die Susanne Selbert innerhalb des Clusters weitergeben kann.

Susanne Selbert wünscht sich einen direkten Ansprechpartner im HCH. Denn direkt mit dem Netzwerk verbunden oder verknüpft zu sein, ist die Bedeutung des assoziierten Mitgliedes. Und wenn die finanzielle Entwicklung im Landkreis Kassel weiterhin positiv verläuft, ist der in zweieinhalb Jahren wieder schutzschirmfrei und kann vollwertiges Clustermitglied werden. Eine assoziierte Mitgliedschaft ist besser als keine. Denn damit werden dem Landkreis bereits vor einem Eintritt alle Privilegien der Gemeinschaft zuteil. Und das wird auch dem Holzbau zugutekommen.

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