HCH – 2. Werkstattgespräch

HCH – 2. Werkstattgespräch

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26. Juni 2017_Kassel. Tiefe Wurzeln, gerader Stamm und sturmresistent. Diese Eigenschaften besitzt die Tanne, die als Firmenlogo für die Werte und Grundsätze der W. & L. Jordan GmbH steht. Dazu gehören neben Vertrauen, Zuverlässigkeit, Qualität, Dynamik und Innovation auch eine hohe Serviceorientierung sowie soziale und gesellschaftliche Verantwortung. Jordan zeichnet eine solide und verlässliche Partnerschaft mit dem Handwerk aus. Nicht nur Flexibilität und kurze Lieferzeiten überzeugen, auch die professionellen Verkaufsunterlagen bieten jedem Handwerker beim Verkaufsgespräch mit dessen Kunden eine große Hilfe.

Und genau hier liegt ein Kernthema vom Holzbau Cluster Hessen (HCH), dessen Ziel es ist, den Holzbau wieder in den Fokus der Bauherren, Planer, Architekten, Bauamtsleiter und Politiker zu rücken. Der Kunde muss, bildlich gesprochen, von der Wurzel bis zur Krone kontinuierlich beraten und betreut werden. Darum ist Jordan mit seinem Know-how ein wichtiger Partner im HCH.

Beim 2. Werkstattgespräch in den Seminarräumen des Unternehmens diskutierten Aydin Ecer, Niederlassungsleiter für den Holz-Großhandel und Fred Himmelmann, Prokurist und Abteilungsleiter Holz, mit vier weiteren Jordan Mitarbeitern und sieben Clustermitgliedern über ihren Platz im hessischen Holzbau Cluster. Heinz Moering, Geschäftsführer und Projektleiter des HCH betonte, dass „die Zukunft für Jordan bereits Gegenwart ist, der Holzbau nicht nur ein Hype, sondern der beste Baustoff den es gibt. Das beweist der Erfolg von Jordan“, so Moering.

Das Unternehmen blickt auf fast 100 Jahre Firmengeschichte zurück. Die Holzhandlung von Gründer Ludwig Jordan wurde in den 1950er Jahren von dessen Sohn Horst-Dieter um den Bereich Bodenbeläge erweitert. Als Jörg Ludwig Jordan die Geschäftsführung in den 1980er Jahren übernahm, führte er den Bereich Heimtextilien ein und steigerte den Umsatz kontinuierlich von 28 Millionen im Jahr 1990 auf 385 Millionen Euro (Stand 2016). Heute zählt die Unternehmensgruppe 1350 Mitarbeiter, 66 Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Polen. 250 eigene LKW legen pro Jahr etwa acht Millionen Kilometer zurück, um 600.000 Anlieferungen zu tätigen.

Hinter dieser logistischen Meisterleistung steckt eine wichtige Strategieentscheidung: Der Handwerker ist Kunde, dem alle Unterstützung gegeben wird, um die Produkte gut an den Endkunden zu bringen. Jordan ist ein Großhändler ohne Kompromisse mit hoher Servicebereitschaft und einem außerordentlichen Marketing. Davon soll das Holzbau Cluster nun profitieren.

Ziel ist, dass der Kunde beim Thema Bauen sofort an Holz denkt. Dazu muss er verständliche Informationen im Internet finden und mit kompetenten Handwerkern zusammenarbeiten. Hinter ihm stehen verlässliche Partner im Handwerk und Holzhandel, Forst- sowie Sägeindustrie. Die Baubranche kann von Jordan und mit Jordan lernen. Denn dort steht der Baum, das nachwachsende Holz im Fokus. Ein Stoff, aus dem Innovationen erwachsen und die Holzbaubranche mitwachsen kann.

Das sagten …

Aydin Ecer (Niederlassungsleiter W. & L.Jordan GmbH): „Die Bedürfnisse unserer Kunden bestimmen unser Handeln. Alle Aufträge werden über den Handwerker getätigt. Logistik zählt zu unseren größten Stärken. Innerhalb von 24 Stunden sind alle Lagerartikel in den Niederlassungen. Allein 200 Mitarbeiter sind im Außendienst unterwegs und arbeiten eng mit dem Kunden zusammen. Unsere Showrooms stehen den Handwerkern und deren Kunden zur Verfügung. Vielleicht braucht es auch Holzmusterhäuser, damit der Kunde sich das Ergebnis ansehen kann. Die Botschaft muss an den Endkunden herangetragen werden. Der Handwerker hat hier den direkten Draht – und wir müssen Angebote schaffen, mit denen man ihn im Marketing noch besser unterstützen kann.“

Fred Himmelmann (Prokurist und Abteilungsbereichsleiter Holz W. & L. Jordan GmbH): „Wir müssen das Geschäft mit dem Holzbau einfacher gestalten. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten, indem wir das Handwerk und das Cluster unterstützen. Wir können unser Marketing und unsere Netzwerke nutzen und zum Beispiel Fortbildungen für Architekten und Planer anbieten. Damit können und wollen wir den Holzbau vorantreiben. Die nächste Ausstellung zum Thema „Bauen mit Holz“, die derzeit in Hamburg zu sehen ist, holen wir im nächsten Jahr nach Kassel. Dann kann die Lobbyarbeit ein großes Stück vorangetrieben werden.“

Heinz Moering (Geschäftsführer und Projektleiter des HCH): „Der Kunde muss stärker motiviert, an der Basis muss mehr über Holzbau gesprochen werden. Darum wird im Cluster darüber nachgedacht, gemeinsam ein Hessen-Holz-Haus zu konstruieren und zu bauen. Das Musterhaus soll für den Endverbraucher erlebbar sein, dem Handwerker als Ausstellungsobjekt dienen und ein Markenzeichen für den Holzbau in Hessen werden. Dafür braucht es Partner wie Jordan, Egger und die Zimmereibetriebe. Die Wanderausstellung zum Deutschen Holzbaupreis installieren wir derzeit bewusst in den Kreishäusern, damit die Mitarbeiter und Entscheider darauf aufmerksam werden, spätestens, wenn sie die Ausstellung eröffnen. Im Rahmen dieser Wanderausstellung sollten wir Vorträge zu bestimmten Themen anbieten.

Ein wichtiger Partner ist die Politik. Die Landesbauordnung in Hessen wurde gerade im Entwurf den Verbänden vorgelegt. Die sollen jetzt ihre Einwände formulieren und das ist eigentlich schon zu spät. Um eine bessere Förderlandschaft zu bekommen, sind wir im Dialog mit dem Umweltministerium. Ein Ziel ist dabei, eine Holzbauförderung – ähnlich wie in Baden-Württemberg – zu bekommen. Darüber hinaus ist eine engere Vernetzung der Betriebe, Planer und Mitarbeiter der Bauämter anzustreben. Die Zielgruppen müssen klar definiert werden und die Landespolitik muss sich positionieren.“

Ralf Böttger (Beauftragter Innovation und Technologie vom Verband Hessischer Zimmermeister): „Die Kunden informieren sich im Internet oder in Musterhausausstellungen. Der Holzbau muss besser zu finden sein und positiver wahrgenommen werden.“

Helmhard Neuenhagen (Geschäftsführer Verband Hessischer Zimmermeister): „Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, mit denen es möglich ist, Industrie, Handwerk und Kunde einfach zusammen zu bringen und die Politik überzeugen. Die Planung muss in den Holzbaubetrieben bleiben. Aber wie schaffen wir es, Planungsleistungen in unsere Wertschöpfungskette zu integrieren? Wenn der Holzbauer als Generalunternehmer auftritt, kann das Vorteile haben. Die verschiedenen Gewerke mit unterschiedlichen Planungsprogrammen und Datenformaten zu koordinieren, ist schwierig. Zum Thema Hessen-Holz-Haus brauchen wir ein Produkt mit klaren Standards. Auf der Landesgartenschau in Bad Schwalbach im nächsten Jahr soll ein Holzhaus vom Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes aufgestellt werden. Dafür werden noch Partner gesucht.“

Zusatzinfo BIM von Diana Wetzestein: Die Planung zu optimieren, ist in der Bauwirtschaft schon lange ein Thema. Mit dem Building Information Modeling (BIM), der Bauwerksdatenmodellierung, gibt es eine Methode, bei der optimierte Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken mit Hilfe von Software funktionieren soll. Alle relevanten Bauwerksdaten werden digital modelliert, kombiniert und erfasst. Der Bau wird als Computermodell erstellt. Das BIM wird zur Bauplanung und -ausführung von Architekten, Ingenieuren, Haustechnikern oder auch im Facilitymanagement eingesetzt.

Bei Änderungen im Plan kann der zeitliche und personelle Aufwand deutlich reduziert werden, weil diese an der Projektdatei, am Modell, vorgenommen werden. Alle Änderungen sind für alle Beteiligten als Zeichnung und Datenpaket direkt verfügbar. Massen und Stückzahlen werden automatisch abgeglichen. Durch den verbesserten Datenabgleich soll letztendlich die Produktivität des Planungsprozesses hinsichtlich Kosten, Termine und Qualität gesteigert werden. Davon kann der Holzbau profitieren.

Heinz Blumenstein (Geschäftsführer Pro Holzfenster): „Wir haben Wahlprüfsteine erarbeitet, die den Politikern vorgelegt werden können. In denen werden Fragen gestellt wie: Was plant Ihre Fraktion, um…

  • den Übergang von einer auf fossilen Rohstoffen bauenden, hin zu einer biobasierten Wirtschaft zu fördern und Deutschland zu einem für die Bioökonomie attraktiven Standort zu machen?
  • den im Klimaschutzplan 2050 herausgestellten positiven Klimaschutzbeitrag der Holzverwendung zu realisieren bzw. zu steigern?
  • auf Bundesebene die bestehenden ordnungsrechtlichen Hemmnisse für Verwendung von Holz abzubauen und den anderen Baustoffen gleichzustellen?
  • die Kreislaufwirtschaft und Kaskadennutzung zu stärken?

Am Ende stellen wir die entscheidende Frage: Warum sollen 650.000 Beschäftigte in der Holzwirtschaft Ihre Partei wählen? Die Politiker in Baden-Württemberg haben darauf eine Antwort, denn dort werden Preise für Holzbauten vergeben und die Landesbauordnung wurde dem Holzbau angeglichen. Dass der Holzbau ins Hintertreffen gelangte, kann am Beispiel der Holzfenster erklärt werden. Bis 1968 wurden zu 100 Prozent Holzfenster verbaut. Dann kam die PVC Welle. Während die Holzfenster bis dato keinerlei Werbung brauchten, stiegen die Kunststofffensterhersteller gemeinsam massiv und aggressiv ins Marketing ein. Wir haben die Problematik und eigene Situation lange Zeit nicht erkannt. Die Kunststofffensterbranche wurde von uns klar unterschätzt.

Das Holzfenster hat an dem Punkt verloren, als das Kunststofffenster als „pflegeleicht“ verkauft werden konnte. Als Ende der 1980er Jahre die Farbindustrie von lösungsmittelhaltig auf wasserlöslich umstellen musste, wurde die Situation noch schwieriger. Es ist eine gewaltige Menge an Aufklärungsarbeit zu leisten, um den Holzbau wieder nach vorn zu bringen. Die Vorteile müssen an der richtigen Stelle platziert werden.“

Manuel Beib (Egger, Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG, Gebietsverkaufsleiter Deutschland Mitte): „Im Holzbau sind die Österreicher den Deutschen bislang noch einen Schritt voraus. Holzbalkone oder Wetterschutz aus Holz sind Standard in Österreich. Der Holzbau ist nicht nur sichtbarer, sondern vor allem selbstverständlicher als in Deutschland. Allein aus der Historie heraus wird er ganz anders wahrgenommen. Aber auch Deutschland ist auf einem guten Weg. Es herrscht Aufbruchstimmung, Betriebe, die Holzrahmenbau wirklich können und ausführen, haben gut zu tun. Mit Holz ist fast alles möglich.“

Heinrich Rühl und Peter Hellmuth (Zimmermeister): „Wir haben unsere eigenen kleinen Netzwerke geschaffen, um so viel wie möglich im Holzbau realisieren zu können. Maurer, Klempner, Elektriker und Putzer sind ein eingespieltes Team. Man kann sich nicht für jedes Bauvorhaben eine neue Truppe zusammenstellen. Der kleine Handwerksbetrieb kann sich keine eigenen Planer leisten. Und die Architekten planen lieber in Stein. Wir sind auf die gemeinsame Lobbyarbeit angewiesen, damit wir unsere Arbeit machen können.“

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