HCH – 1. Werkstattgespräch

HCH – 1. Werkstattgespräch

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15. März 2017_Bromskirchen-Somplar. „In der Natur sein. Ein Gefühl von Ruhe und Kraft. Eine Vielfältigkeit, die uns umgibt, genießen. Holz.“ Diese Sätze aus dem Imagefilm der ante-Gruppe werden durch Bilder verstärkt, die den Betrachter emotional auf Holzprodukte einstimmen sollen. Die Geschäftsführer Jürgen Ante und Jörn Kimmich spielten diesen professionell produzierten Überblick als Einstimmung zum 1. Werkstattgespräch vor elf Mitgliedern des Holzbau Cluster Hessen ab. Der Gastgeber machte damit deutlich, dass Werbung stark und emotional sein muss. Dass der Wald gleichzeitig Erholungsort für Menschen ist und dennoch für die Produktion des ältesten Baustoffes der Geschichte dienen kann, ist die Botschaft. Die Rückbesinnung auf gute, ökologische Produkte aus Holz ist in der Holzwirtschaft spürbar, vor allem vor dem Hintergrund von Klima- und Umweltschutz.

Die Holzbauquote von etwa 16 Prozent in Deutschland und etwa 20 Prozent in Hessen spiegelt diesen Trend aber nicht wider. Es gilt, die Holzbranche schneller und flexibler zu gestalten, Akteure müssten optimaler zusammenarbeiten und die Lobbyarbeit für das Holz ausgebaut werden. Dass sich das für alle auszahlen kann, darauf verweisen die zukünftigen Bedarfe im Wohnungsbau von Ballungszentren. Gute Chancen für den Holzbau gibt es vor allem bei Aufstockungen auf Bestandsgebäuden und mehrgeschossigem Holzbau. Vorausgesetzt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen würden angepasst und Genehmigungsbehörden in Sachen Holzbau geschult und richtig informiert. Es gibt zudem den Ruf der Zimmerer nach innovativen Produkten aus Hessen, dieser findet bei ante-Holz Gehör. Hier wird schon bald das Brettsperrholz vom Band laufen, ein neues Produkt, das den Holzbau für Planer attraktiver macht. Jürgen Ante versprach, dass dieses Produkt schon bald die Produktpalette von ante-Holz erweitern und lieferbar sein wird. Die Akteure des HCH können davon profitieren, denn bislang muss dieses Material importiert werden.

Das Augenmerk liegt auf dem waldreichen Hessen. Bis aus der Pflanze aus zertifizierten Setzlingen ein Holzbau wird, braucht es Weitsicht, Einsicht und das Nadelholz. Noch 25 bis 30 Jahre lang können die Bestände geerntet werden, die nach 1945 angepflanzt wurden. Für den vorausgesagten Holzbau-Boom würde das ausreichen, der Nadelholzbestand liegt laut Hessen Forst bei etwas über 40 Prozent. Bei aktuellen Pflanzungen müsse jedoch weiterhin eine ausreichende Menge Nadelholz eingesetzt werden, eine Reduzierung der Quote könnte die Sägeindustrie in Hessen dann gefährden. Betroffene Sägewerke müssten ihr Nadelholz anderswo einkaufen und importieren, was gleichzeitig den Export von Arbeitsleistungen zur Folge hat.
Hessen hat alles, was es für eine gesunde und zukunftsfähige Holzindustrie und die Steigerung der Holzbauquote braucht: eine bevorzugte geografische und klimatische Lage in Europa, gesunde Wälder, eine ökologisch und ökonomisch ausgerichtete Waldwirtschaft, moderne Sägeindustrie, qualitativ hochwertige Handwerksunternehmen, starke Verbände, Hochschulen und den Willen, aktiv zu werden. „Natur. Pur. Kraft.“, heißt es im Imagefilm von ante Holz.
Aussagen aus zwei Stunden Werkstattgespräch:

Jürgen Ante und Jörn Kimmich

Jürgen Ante und Jörn Kimmich (Geschäftsführer ante-Gruppe): „Wir müssen die richtigen Produkte erzeugen und einen näheren Kontakt zu unseren hessischen Holzverwendern suchen, damit wir unsere Produkte nicht nach Übersee, sondern im Umkreis von 100 Kilometern verkaufen können. Für uns ist es wichtig, dass wir das Cluster mit Leben erfüllen. Den Holzbau nach vorn zu bringen, ist eine große Aufgabe, dabei ist der Lehrstuhl für Holzbau in Gießen von großer Bedeutung. Uns interessieren aber auch die Zimmereien. Welche Produkte brauchen sie? Ich glaube, die Verbindung von Hersteller und Verarbeiter muss direkter gehen, um die Chancen im Holzbau in der Zukunft zu nutzen. Wir bieten an, jede Anfrage von Clustermitgliedern im Einzelnen zu prüfen. Abbund- und Holzrahmenbau bieten wir ihnen an, weil wir wollen, dass es mit dem Holzbau hier vorangeht. In den nächsten 5 Jahren sollten wir es in Hessen schaffen, der Bevölkerung klarzumachen, dass Gebäude aus Holz das bessere, ökologischere und tollere Haus sind. Das sollten wir uns auf die Fahnen schreiben. Ante hält alle Tore offen.“

Zimmermeister Würz, Ludwig und Mitze

Zimmermeister: Andreas Mitze, Thomas Würz, Heinrich Rühl, Harald Ludwig:
„Wir haben in Hessen leistungsstarke Betriebe und sind den Anforderungen des Marktes gewachsen. Das HCH sollten wir alle finanziell unterstützen, nur so können wir aus vielen Vereinen einen schlagkräftigen machen, der den Markt erklärt und die Öffentlichkeit erreicht. Das Thema Holz muss für den Kunden emotionaler werden. Dafür müssen wir den Holzbau sichtbar machen. Neben neuen, innovativen Produkt aus Hessen sind standardisierte Produkte wichtig für uns. Beim Brettsperrholz muss bislang noch jeder seine eigenen Werte einsetzen. So kann man ein Produkt am Markt nicht etablieren. Aber Brettsperrholz ist nicht nur aus Brandschutzgründen das Produkt für den mehrgeschossigen Holzbau, es macht den Holzbau flexibler. Wir brauchen festigkeitssortiertes Laubholz, Brettschichtholzdecken, Brettsperrholz und Absprachen für Mindestmengen. Dafür müssen wir im Dialog bleiben. Und mit guten Architekten und Ingenieuren zusammenarbeiten, die den Vorteil im Holzbau erkennen und verstehen. Wir dürfen nicht über den Preis sprechen, sondern gute Arbeit abliefern und zusammenarbeiten. Für größere Projekte kann man sich mit Kollegen zusammentun und Ante liefert das Material.“

Prof. Vogelsberg, Heinz Moering und Lars Schmidt

Achim Vogelsberg (Vorstand HCH, Professor für Holzbau an der THM Gießen): „Ich wünsche mir Zusammenschlüsse der Zimmerer, um große Projekte besser stemmen zu können. Weiterhin sollten uns die Zimmerer mehr über deren laufende Projekte informieren. Nur so können wir organisieren, dass die Studierenden durch Baustellenbesichtigungen vor Ort Holzbau erleben können. Per E-Mail könnten sie über ihre aktuellen Projekte informieren. Eine Alternative wäre eine Plattform, wie unsere Homepage, wo diese Projekte eingestellt werden könnten. Es wäre ja eh gut, wenn wir vom Cluster die hessischen Holzbauprojekte kennen würden. Die Holzbauexperten der Verbände sollten zudem Vorträge an der Hochschule halten. Wir brauchen Lobbyarbeit und Werbung für den Holzbau. Und produzieren sie Brettsperrholz!“

Lars Schmidt (Vorstand HCH, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Säge- und Holzindustrie Berlin, Landesbeirat Holz in Hessen): „In den nächsten 30 bis 40 Jahren werden hunderttausende Wohnungen gebraucht. Sanierung, Aufstockung und mehrgeschossiger Holzbau im urbanen Raum sind gefragt. Der Holzbau muss sich dem Markt anpassen, Industrie, Holzbau und Zimmerer müssen sich auf diese neuen Märkte einstellen, dann können alle davon profitieren. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen durch die Landesbauordnungen schränken den Holzbau aber derzeit noch massiv ein. Der Informationsfluss und die Kommunikation sind noch nicht optimal. Eine regionale Holzfachberatung im HCH begrüße und unterstütze ich aktiv. Eine entsprechende Anfrage im Wirtschaftsministerium läuft bereits. Aktivitäten, die auf Länderebene stattfinden, müssen auf Bundesebene im Sinne der Effizienz besser koordiniert werden.“

4. v. l.: Jörg van der Heide

Jörg van der Heide (Hessen Forst): „Die nachhaltige Holznutzung, insbesondere die stoffliche Verwendung, aus naturnah bewirtschafteten Wäldern, ist alternativlos. Dies gilt vor allem im Hinblick auf die Klimaschutzfunktion: erst der gesamte CO2-Speicher im Wald und im Holz, plus die damit verbundenen Substitutionseffekte, entfalten die optimale Wirkung. Die Weichen dafür müssen in langfristig ausgerichteten Waldbaukonzepten gestellt werden, die die Standortbedingungen und die vom Klimawandel ausgelösten Veränderungen berücksichtigen. Seit mehr als 25 Jahren werden vermehrt Laubwälder angebaut oder natürlich verjüngt. Der Nadelholzanteil lag in den 1980er Jahren bei 50, jetzt nur noch bei gut 40 Prozent. Bis etwa 2040 wird Hessen Forst das Nadelholz unter sonst gleichen Bedingungen in vergleichsweise stabilen Mengen bereitstellen können. Danach nehmen allerdings die aus den Nachkriegsaufforstungen stammenden Nadelholzvorräte, allen voran Fichte, spürbar ab. Da in der jungen Waldgeneration aktuell zu rund 80 Prozent Laubholz nachwächst, müssen wir schon heute gegensteuern und aktiv zertifizierte, standortgerechte und klimaangepasste Nadelhölzer pflanzen und als Mischung einbringen. Diese letztlich auch finanziellen Anstrengungen sind schon deshalb erforderlich, um den aktuellen Nadelholzanteil zu halten und langfristig nicht am Markt und dem Bedarf der Menschen vorbei zu produzieren. In einigen Jahrzehnten kann es dann gelingen, die sich abzeichnende Versorgungslücke wieder zu schließen.“

Heinz Blumenstein und Helmhard Neuenhagen

Heinz Blumenstein Geschäftsführender Vorstand Bundesverband Pro Holzfenster): „Wir stellen fest, dass die Nachfrage für Holz erzeugt werden muss. Dies kann nur durch Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit über die Vorteile des Baustoffes Holz erreicht werden. Um als Holzwirtschaft am Wohnungsbauboom zu partizipieren, müssen wir vor allem Wohnungsbaugesellschaften, Architekten, Planer
und Endverbraucher vom Holzbau überzeugen. Das ist eine äußerst wichtige, wenn auch schwierige Angelegenheit. Ich würde mir wünschen, dass wir uns verstärkt um Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit bemühen. Aufklären ist wichtig, damit positive Aspekte begreifbar werden. Das Produkt aus Holz muss letztendlich für den Kunden gut sein. Der Wurm soll dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.“

Helmhard Neuenhagen (Geschäftsführer Verband Hess. Zimmermeister e. V. und Projektleiter HCH): „Wir stehen in direkter Konkurrenz zum Massivbau. In der neuen VOB C werden Festigkeitsklassen für Laubholz vorgegeben. Eichenholz wird in der Sanierung seit Jahrhunderten eingesetzt, obwohl wenige bislang kontrollieren, ob die geforderten Festigkeiten der gelieferten Holzqualität entsprechen. Da haben wir eine Lücke, die wir schließen müssen. Die Säger können diese Klassifizierung nicht vornehmen, wenn die bestellten Massen zu klein sind, der Holzbauer müsste das Laubholz nach Festigkeitsklassen sortieren. Für den mehrgeschossigen Holzbau sind die Strukturen der Hessischen Holzbaubetreibe mit durchschnittlich sechs Beschäftigten nicht geeignet, um allein anzubieten, in Zukunft werden Komplettleistungen gefordert, hier sollte man eine Art Planungsverbund schaffen, damit hessischen Betriebe da mithalten können. Als Verband unterstützen wir grundsätzlich zahlreiche Aktivitäten auf Bundesebene. Hessen selbst hat bisher davon zu wenig profitiert, darum fokussieren wir uns zukünftig verstärkt auf regionale Projekte, wie hier im Cluster. Auch Bayern und Baden-Württemberg handeln regional und profitieren davon.“

Heinz Moering moderierte das 1. Werkstattgespräch

Heinz Moering (Geschäftsführer HCH): „Für uns als HCH ist die wichtigste Frage, wo wir alle besser kooperieren können? Die Einrichtung einer Holzbaufachberatung mit Experten, die in der Branche gut vernetzt sind, Informationen und Handlungsempfehlungen schnell weitergeben können, sind unumgänglich. Doch dazu brauchen wir die nötigen finanziellen Mittel vom Land, denn die Branche verfügt darüber nur im geringen Maße. Bei uns fehlt es an Lobbyarbeit in der Politik. Die können wir vorantreiben, wenn wir unsere Interessen abstimmen und gemeinsam adressieren. Unsere Stärken liegen in der Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit, die sind auch im Ministerium wichtige Themen. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde vernachlässigt, hier muss ein Weg gefunden werden, die Endverbraucher emotional anzusprechen. Wie im Film der ante-Gruppe, der sagt: Wenn ich Holz verwende, tue ich etwas Gutes.“

„Von allen Dingen dieser Welt, am besten mir das Holz gefällt. Kein Gold und auch kein Edelstein, kann uns von solchem Nutzen sein.“ (Theodor Heuss wurde zitiert von Jörg van der Heide)

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