Das Hornmoldhaus

Das Hornmoldhaus

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Außen und innen „hui“ Das Hornmoldhaus – einzigartiger Fachwerkbau mit besonderem Innenleben
Bietigheim-Bissingen. Schon äußerlich ist das Hornmoldhaus ein Schmuckstück. Es ist etwas ganz Besonderes unter vielen Häusern der Stadt, die mit dem Slogan „Fachwerk und Kunst“ das ausdrückt, was in ihr steckt. Im Museum Hornmoldhaus, dessen exklusivstes Exponat das Haus selbst ist, wird die Nähe von Kunst und Kulturgut deutlich. Hier betritt jeder Besucher eines der bedeutendsten Bürgerhäuser der Renaissance in Südwestdeutschland.
Das imposante Steinportal und das steinerne Erdgeschoss geben dem Haus mit dem Baujahr 1536 ein solides Fundament. Und das braucht es auch, schließlich erheben sich darüber zwei Stockwerke und ein Walmdach, das ebenfalls mit drei Etagen ausgestattet ist. Die senkrechten Holzständer mit gotischen Kopf- und Fußbändern, in dieser Region als „Schwäbisches Männle oder Weible“ bekannt, wurden in der Renaissance durch dreiviertel hohe Verstrebungen mit zwei Kopfdreiecken, die sogenannte „Mannfigur“ ersetzt. Beide Verstrebungsformen sind sowohl Gestaltungs- als auch Konstruktionselemente, die Profilierungen der Schwellen und Rähmbalken geben dem Gebäude eine typische horizontale Gliederung.
Das Haus der Familie Hornmold, deren Angehörige wohlhabende Stadtschreiber, Vogt oder Weinhändler waren, steht zwischen Schloss und Rathaus auf einem Platz, der den gesellschaftlichen Stand des Bauherren noch deutlicher macht. Einem Abriss in den 1970er Jahren knapp entgangen, waren Haupthaus und angrenzendes Sommerhaus für Denkmalschützer und –pfleger, aber auch für Restauratoren und Architekten eine Herausforderung der besonderen Art.
Günther Bentele hat die gesamte Geschichte erforscht und veröffentlicht, Museumsleiterin Regina Ille-Kopp und Museumpädagogin Maren Lippitz führen Besucher jeden Alters durch diese Geschichte. Eine Fachwerkausstellung wurde jüngst eröffnet, die erlebenswert ist. Der Architekt und Fachwerkspezialist Christian Ehinger hat sich diese Ausstellung angesehen, in deren Zentrum das imposante Holzmodell, das Haupt- und Sommerhaus im Fachwerkskelett zeigt, steht. Drum herum ist die Geschichte der Flößerei und des Holzhandels dargestellt. „In dieser Ausstellungwird vor allem die Entwicklung vom spätmittelalterlichen Fachwerk zur Renaissancedeutlich“, sagt Ehinger. Tatsächlich sind bautechnische Feinheiten durch Exponate interessant in Szene gesetzt, die Baugeschichte für jedermann verständlich macht. Und obwohl Ehinger das Haus schon seit den 1970er in- und auswendig kennt, scheint auch ihm sich bei jedem Besuch etwas Neues zu offenbaren.
Beim Rundgang mit der wissenschaftlichen Angestellten Maren Lippitz lobt er darum nicht nur die von ihr inszenierte Fachwerkausstellung, sondern gibt ihr sein detailliertes Wissen über diese Architektur an Ort und Stelle gern weiter. „Dieses Fachwerkhaus ist das Beste, was die Region zu bieten hat“, sagt er und erklärt dabei den Unterschied zwischen geschweiften Andreaskreuzen und den Feuerböcken. „Letztere seien innenseitig nicht genast, so der Fachmann, während er die Arbeit der Schnitzer und Zimmermeister bewundert, die diese Kreuzstrebe im 16. Jahrhundert schufen. Und auch die große Bohlenstube ist für den Kenner dieser Eckzimmer im süddeutschen Fachwerk ein Meisterwerk. „Sie war der einzige Raum, der richtig geheizt werden konnte“, so Ehinger. Die Bohlen der Außenwand wurden seinerzeit mit einem Strohlehmgemisch von außen gedämmt und mit Lehm verputzt, dadurch wurden die Wände winddicht.
Bohlenstuben sind in Bietigheim-Bissingen an einigen Häusern auszumachen, einen Hinweis geben vor allem die fein ausgearbeiteten Fenstererker, die den Betrachter wohl auch immer etwas vom Reichtum der Hauseigentümer mitteilen sollten. Rot, Ocker oder Grau sind die Farben des Baden-Württembergischen Fachwerks. „Die Farbe wurde über die Balken hinaus bis auf den Putz gestrichen, damit wurde eine optische Begradigung erreicht“, so Ehinger. Diese optische Begradigung wurde im Hornmoldhaus in Hülle und Fülle ausgeführt, ungerade Hölzer wurden übermalt, Beistriche und Architekturbemalung an Wänden, Decken und Profilen der Hölzer sowie die gemalten Portale wirken überwältigend. Wohin sich der Blick richtet, überall gibt es Medaillons mit Rosetten, marmorierte Balken, Pflanzen- und Porträtmalerei. Die Papstsatiren in einer der Sommerstuben wurden als Vexierbilder angebracht und zeigen den Papst im selben Bild auch als einen Narren.
Dass diese Stadt viel zu bieten hat, zeigt sich am interaktiven Stadtmodell, das Regina Ille-Kopp stolz präsentiert. Es zeige die Häuser der Stadt im Jahr 1830, erzählt die Leiterin des Museums. Der Betrachter kann diese insgesamt betrachten oder an einem in der Glasvitrine integrierten Bildschirm weitere Bilder und Informationen über einzelne Gebäude erhalten. Dass es unter den verputzen Fassaden vieler Häuser noch weitere Fachwerkschätze gibt, hat die Stadt, wie auch die anderen Städte in Baden-Württemberg, einer Polizeiverordnung aus dem 18. Jahrhundert „zu verdanken“, die dem Brandschutz geschuldet war. „Die Häuser mussten verputzt werden, die Fenstererker und Profilierungen wurden von den ausführenden Handwerkern vorher abgeschlagen“, bedauert Ehinger. Das Verbot des Herzogs von Württemberg aus dem Jahr 1568, die Verplattung von Holzkonstruktionen beim Fachwerkbau aus Sicherheitsgründen zu verbieten, hält das Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V. (ADF) für richtig. „Vom guten Eichenholz gab es nicht mehr so viel, das weichere Nadelholz kam zum Einsatz, die Verplattungen hielten den Druck- und Zuglasten nicht mehr stand“, so Ehinger.
Das Hornmoldhaus ist stadtbildprägend. „Es vermittelt das Selbstverständnis und Lebensgefühl des Bürgertums einer aufstrebenden Landstadt im 16. Jahrhundert“, steht es auf der Internetseite des Museums. In Wirklichkeit ist es noch viel mehr.
40 Jahre nach Gründung der ADF und nach 25 Jahren DFS zeigt dies auch, wie wichtig Denkmalschutz und Denkmalpflege in den Städten und Dörfern sind. Es zahlt sich nun auch für den Tourismus aus, dass es dieses Haus und viele andere noch gibt.

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