Wie aus der Blüte ein Bier wird

Wie aus der Blüte ein Bier wird

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28. Juli 2017_Niederdünzebach/Witzenhausen. Seit der Aussaat sind mehr als 70 Tage vergangen. Die Blütezeit ist vorbei, jetzt reifen bereits die „Hanfnüsse“ heran, in 30 Tagen kann der Ölhanf des Biolandhofes Werragut gedroschen werden. Ein paar Kilogramm Blüten der Hanfsorte FINOLA wurden Mitte Juli geschnitten und getrocknet. Dabei lag ein würziger Duft über dem Feld, ätherische Öle, verströmt durch die weiblichen Pflanzen dieser Ölhanfsorte. Es ist der typische Hanfgeruchsstoff aus Caryophyllenoxid, der auch ein wichtiger Grundstoff für das erste Biohanf-Bierprodukt aus Werrahanf ist.

Auf dem Biolandhof von Katharina Nennewitz überragten die tiefgrünen Pflanzen die sechs ehrenamtlichen „Erntehelfer“ um wenige Zentimeter. Der Probeanbau der Ölhanfsorte sollte 1,80 Meter erreichen, zudem wurden eine „einfache Bewirtschaftung und null chemischer Pflanzenschutz oder -dünger versprochen und eingehalten“, so Katharina Nennewitz. „Für uns alle ist das hier ein Versuch, ob und wie der Ölhanf sich auf diesem Land verhält. Bislang sind wir sehr zufrieden, hatten keine Probleme und wenig Arbeit“, sagte die Biolandbäuerin, die gemeinsam mit Ideengeber Erich Böck und anderen Hanfpionieren die Werraregion zur Hanfregion machen wollen. Ihr Ziel ist es, noch mehr Menschen aus Hessen, Thüringen und Niedersachsen vom Mehrwert dieser alten Kulturpflanze zu überzeugen.

„Durch meine Arbeit mit Hanfbaustoffen, -lebensmitteln und -textilien habe ich viele Menschen kennen gelernt, die sich dem Thema Hanf jetzt gemeinsam widmen wollen“, sagte Erich Böck. Darunter seien Agraringenieure, Biolandwirte, Mediziner, Medienexperten, Chemiker, Journalisten und Handwerker, Personen, die kleine Manufakturen betreiben, im Vertrieb von Naturbaustoffen, in der Textilindustrie oder Genossenschaften tätig sind. Alle stünden in den Startlöchern, scharrten buchstäblich mit den Hufen, darum solle die WerraHanf Genossenschaft noch in diesem Jahr gegründet werden.

Um den Menschen das Thema Hanf richtig schmackhaft zu machen, braute Schinkels Brauhaus, Hessens erste Bio-Brauerei, gerade das erste regionale Hanfbierprodukt. „Wegen des Reinheitsgebots in Deutschland dürfen wir es nicht Hanf-Bier nennen“, sagte Braumeister Rainer Schinkel, der den offiziellen Namen bis zur Abfüllung seines 15. Bierproduktes noch geheim halten will. Für die ersten 1.000 Liter reichten ein paar Kilogramm der getrockneten Blüten aus, um das kleine Sudhaus mit dem Geruch des Caryophyllenoxid zu füllen und die ätherischen Öle aus der Pflanze mit der Maische aus Gerstenmalz zu vermischen. Nach drei Wochen wird das Gebräu abgefüllt, etwa zur gleichen Zeit kann Katharina Nennewitz dann die Hanfnüsse ernten, die für Öl, Mehl und andere Produkte gebraucht werden.

„Der Hanf ermöglicht nicht nur dem Werra-Meißner-Kreis, sondern der gesamten Region eine große Chance. Hier können sehr viele von der Pflanze und dem Netzwerk einer Genossenschaft profitieren“, sagte auch Walter Strasheim-Weitz, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender von hessnatur aus Butzbach. Strasheim-Weitz will die WerraHanf Genossenschaft mitgründen und seine jahrelangen Erfahrungen mit Hanf und als Genossenschaftler dort einbringen. Am 20. September, beim Tag der Regionen im E-Werk Eschwege, soll es Informationen über die Genossenschaft, aber auch das erste Hanfsamenöl, Hanfkaffee, -tee und das Bier aus Witzenhausen geben.

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